— von Josef Rabl

Wachter, Rudolf: Pompejanische Wandinschriften. Auswahl von Graffiti und Dipinti aus Pompeji und Umgebung. 
Sammlung Tusculum, De Gruyter. Berlin, 2019. 564 S. Hardcover,
ISBN 978-3-11-064943-7, 59.95 €

cover pompejanische wandinschriften

Wer sich im Lateinunterricht mit pompejanischen Graffiti beschäftigen möchte, kann mittlerweile auf bewährte Textsammlungen zurückgreifen: den schon älteren Titel von Karl-Wilhelm Weeber „Decius war hier... Das beste aus der römischen Graffiti-Szene“, Zürich 1996; die mit vielen Rückgriffen auf die Heidelberger Dissertation von Polly Lohmann (Graffiti als Interaktionsform. Geritzte Inschriften in den Wohnhäusern Pompejis, Berlin 2018) kürzlich erschienene erweiterte Neuausgabe „Botschaften aus dem Alten Rom. Die besten Graffiti der Antike“, Freiburg 2019; oder das von  Arno Hüttemann zusammengestellte Bändchen „Pompejanische Inschriften“, Reclams Universalbibliothek 18769, Stuttgart 2010. 

Soeben ist in der Reihe Tusculum von dem Schweizer Altphilologen Rudolf Wachter eine weitere umfangreiche deutsch-lateinische Ausgabe erschienen: „Pompejanische Wandinschriften. Auswahl von Graffiti und Dipinti aus Pompeji und Umgebung“. Wachter studierte Klassische Philologie in Zürich und Oxford, wurde 1996 in Basel habilitiert und ist dort seit 1997 Extraordinarius für „Griechische und Lateinische Sprachwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung indogermanistischer Aspekte“. Parallel dazu lehrte er von 1990 bis 2006 an der Universität Freiburg (Schweiz), seit 2006 ist er „Professeur associé de linguistique historique indo-européenne“ an der Universität Lausanne. Seine Forschungsschwerpunkte sind Griechische und Lateinische Sprachwissenschaft, Philologie und Epigraphik, historisch-vergleichende (indogermanische) Sprachwissenschaft sowie Alphabetgeschichte und Schreibtechnik. 

„Meinen ersten Kontakt mit den pompejanischen Wandinschriften knüpfte mein Lateinlehrer Peter Lindegger am Gymnasium Winterthur, als er 1972 eine fakultative Sonderveranstaltung dazu anbot. Während des Studiums folgten Seminare bei Ernst Risch in Zürich. ... Schon 2006 reifte der Entschluss, eine eigene kommentierte Sammlung herauszugeben“ (Vorwort, S. 9). Mit seinem Inschriftenband sieht sich Wachter in der Tradition der Ausgaben von Ernst Diehl („Inscriptiones latinae. Tabulae in usum scholarum“, Bonn 1910; „Pompejanische Wandinschriften und Verwandtes“, 1910, 2. Auflage Berlin 1930: „Texte für Vorlesungen und Übungen“) und Hieronymus Geist („Pompejanische Wandinschriften“, 1. Aufl. 1936; 2. Aufl. unter Mitarbeit vom W. Krenkel, München 1960).

Die pompejanischen Wandinschriften geben –das weiß man – einen einzigartigen Einblick in den Alltag der frühen Kaiserzeit – mit erstaunlich aktuellen Themen: Sex and Crime, Business, Politik, Sport, Unterhaltung, freundliche Grußbotschaften und üble Beschimpfungen, daneben aber auch hübsche kleine Liebesgedichte in großer Zahl sowie Reflexe des Schulunterrichts wie Schreibübungen und Literaturzitate. 

Diese Auswahl, die nicht nur dank Übersetzungen (diese waren anfangs gar nicht vorgesehen) und Überblickstexten ein größeres Publikum ansprechen soll, wird mit ihrer präzisen Transkriptionsweise, einem kurzen Kommentar, vielen Querverweisen und der wichtigsten Bibliographie dem gymnasialen und universitären Unterricht dienen. Der vorliegende Band vereint  gut 1500 Nummern, deutlich mehr als alle früheren. Er greift auf die aktuelle Forschung zurück und achtet im Kommentar insbesondere auf poetische, epigraphische, sprachliche und sachliche Fragen. Speziell auf Erscheinungen der Umgangssprache, die oft bereits an die romanischen Sprachen erinnern – und das kaum hundert Jahre nach dem Tod Vergils –, wird konsequent geachtet. 

Eine detaillierte Einleitung behandelt den Fundort der Texte, tangiert auch den Gelehrtenstreit über das Datum der Vesuveruption, erläutert dann den Aufbau des Buches, die Grundlagen der Textedition und gibt technische Bemerkungen zu Text und Kommentar, schließlich geht es auch um Grammatik, Metrik und Buchstabenformen. Die Berücksichtigung all dieser Grundlagen und Details zeugt von einem außerordentlichen Arbeitsaufwand und stellt ein klares Plus gegenüber den o. g. früheren Textsammlungen dar. 

Die Anordnung der ausgewählten Texte hält sich an deren Inhalte; in elf Kapitel (mit zahlreichen Unterabteilungen) werden die meist kurzen Graffiti vorgestellt: 1. Götter und Heroen, 33ff.,
2. Kaiser und andere bekannte Persönlichkeiten, 57ff., 3. Lokalpolitik, 67ff., 4. Gladiatoren, 147ff., 5. Soldaten, 183ff., 6. Schauspieler, 189ff., 7. Einwohner, Passanten, Touristen, 197ff., 8. Mitteilungen, 223ff., 9. Haus und Geschäft, 291ff., 10. Liebe in Poesie und Prosa, 355., 11. Schule, 477ff. Jedem der 11 Kapitel geht eine knappe, aber sehr instruktive Einleitung voran. In einem Anhang folgen Problemfälle; weitere wissenschaftliche Daten findet man in den Indizes zu den Inschriften, Fundorten, Jahresangaben und zu Belegen in der antiken Literatur.


Klaus Bartels, Vom Leben der Wörter. Wortgeschichten aus der Neuen Zürcher Zeitung,
Rombach Verlag, Freiburg i.Br./Berlin/Wien 2019, 153 Seiten, 19,80 €, 
ISBN 978-3-7930-9960-4

cover bartels woerter20

„Soweit wir sehen, hat der grosse Webermeister Cicero als erster zunächst das Verb texere vereinzelt aufs Schreiben übertragen. Anders als eine gerichtliche oder politische Rede, bemerkt er in einem Freundesbrief, »pflegen wir Briefe mit alltäglichen Worten, in alltäglicher Sprache zu weben – texere solemus«. Ein Jahrhundert später hat der Star-Rhetor Quintilian dann auch das Substantiv textus einmal auf den fortlaufenden »Text« eines Satzgefüges im Gegensatz zu ihrem kunstvoll rhythmisierten Abschluss bezogen. Mehrfach und schon ganz geläufig erscheint die Übertragung in der spätantiken Zeitgeschichte des Ammianus Marcellinus. Die wiederholte Wendung »Hier müssen wir wieder zum textus zurückkehren«, mit der Ammianus Marcellinus sich von einer Abschweifung zum Hauptstrang der Darstellung zurückruft, wirft ein Licht auf den Vergleichspunkt: Es ist der fortlaufende, festgefügte Zusammenhang der Gedanken und Bezüge, der den Text zum »Text« gemacht hat “ (138f).

Mehr zum Wort Text findet man in einem sehr empfehlenswerten neuen Buch. Klaus Bartels hat wieder einen Band seiner „Wortgeschichten“ herausgebracht. Seit 2003 sind über zweihundert Kolumnen unter der Rubrik »Stichwort« im Feuilleton der »Neuen Zürcher Zeitung« erschienen (wo er übrigens seit 50 Jahren publiziert!), Grund genug, um eine Auswahl der kaum drei Buchseiten zählenden Texte in einem schön gemachten Buch zu präsentieren, treffend  überschrieben „Vom Leben der Wörter“. Über 60 solcher Geschichten kann man dort nachlesen, Herausgeber ist  wie auch schon bei den »Jahrtausendworten« (aus der Zeitschrift „Antike Welt") in der Reihe »Paradeigmata« der Freiburger Gräzist Bernhard Zimmermann; den Druck im Rombach Verlag  unterstützte  die Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur (STAB), Zürich.

„Die Wörter leben; sie haben durch die Zeiten und die Sprachen hin ihr je eigenes wirkliches »Leben«. Da gibt es unter allem Auf und Ab, Kreuz und Quer grandiose Höhenflüge wie den jenes digitus in die »Digitalisierung«; da gibt es unwahrscheinliche Bedeutungssprünge wie den von einem musealen Spinn-»Rocken« zur »Rakete«; da gibt es Nahverwandte wie die »Radieschen« und die »Radikalen«, die sich auseinandergelebt haben und uns nicht mehr als Verwandte in die Ohren fallen; da gibt es ein frühvergessenes Wort wie die grossartige Platonische »Philotechnie«. Da gleicht kein Wörterleben dem anderen, so wenig wie ein Menschenleben dem anderen“ (Vorwort), 

Ich liebe Bücher, die sich kreuz und quer lesen lassen, die man auch – kürzer oder länger – zur Seite legen kann, ohne den roten Faden zu verlieren, die man überall lesen kann, im Lehnstuhl, in der Bahn, im Bett oder im Lehrerzimmer.

Die fünf Dutzend Wortgeschichten sind alphabetisch angeordnet, der Leser kann von hinten beginnen oder von vorne. Er kann bei den Wortgeschichten zu lesen anfangen, für die er plausible Erklärungen liefern könnte, wie Kanzler, Kontakt, Legende,Maschine, Medizin und Münze, oder bei denen, wo er passen muss und deshalb vielleicht besonders neugierig ist, wie z. B. Algorithmus, Ambitionen, Armbrust, Bilanz, Börse, Bravo! oder Champions. Aber Vorsicht! Die Wege der Wörter sind verschlungen, beispielsweise bei der „Ampel“.

„Die »Ampel« und die »Lampe«, zwischen denen das »l« so munter hinüber und herüber wechselt, sind zwar alte griechische Landsleute, aber keineswegs Verwandte. In der »Lampe« leuchtet eine klassische lámpas, »Leuchte, Fackel«, von seither 24 Jahrhunderten Brenndauer aus den alten in die neuen Sprachen herüber.

Die »Ampel« hat in der Antike noch gar nicht geleuchtet. Am Anfang steht da ein amphiphoreús, eine bauchige, zweihenklige »Amphore«. Das Kopfstück amphi- bedeutet »beidseits«, der Verbalstamm pher-, mit Ablaut phor-, bedeutet »tragen«: Der amphiphoreús, in der Folge zusammengezogen amphoreús, ist ein schweres, links und rechts an zwei Henkeln getragenes Vorrats- und Transportgefäss für Wein und Öl. Die enghalsigen, spitzfüssigen Amphoren liessen sich im Schiffsbauch raumsparend nebeneinander und übereinander stapeln. Sie waren ein gängiges Mass für die Ladekapazität eines Frachters; in Ciceros Korrespondenz lesen wir einmal von Frachtschiffen, »von denen keines weniger als zweitausend Amphoren fasste«.

Römische Glasbläser haben diesen schwergewichtigen Wein- und Öl-Amphoren handliche, zierliche Salböl-Amphoren nachgebildet. Wie auf dem Markt neben den tönernen Amphoren mit attischem Öl nun gläserne Mini-Amphoren mit kostbarer duftender Narde auslagen, so trat in der Sprache zu der leicht latinisierten – und nebenbei feminisierten – amphora die Verkleinerungsform amphorula, aus der bald eine amporla, eine ampurla und schliesslich eine ampulla wurde. Auf dem Höhepunkt von Petrons satirischem »Gastmahl des Trimalchio« lässt der Gastgeber einen Sklaven die ampulla, das »Amphörchen«, mit der teuren Essenz bringen, die er für sein Begräbnis zurückgelegt hat, und gibt jedem seiner Gäste schon mal einen Tupfer auf die Nasenspitze ...

Ein gutes Jahrtausend später, im hohen Mittelalter, haben die alten Gefässe, die Ampulle und das Wort, einen neuen Inhalt aufgenommen: Seit dem 13. Jahrhundert begegnet diese gläserne ampulla, nun statt mit sündhaft teurem Salböl mit geweihtem Lampenöl gefüllt und mit einem schwimmenden Docht versehen, in der Kirche über dem Altar. An den beiden Henkeln vor dem Tabernakel aufgehängt, bezeugt die »Ewige Lampe« dort die Gegenwart Christi, des »Lichts der Welt«, beim Messopfer. Die gleiche ampulla, die vorher mit ihren betörenden Düften die törichten Jungfrauen zur Eitelkeit der Welt verlockt hatte, wies nun mit ihrem Ewigen Licht den klügeren Schwestern den Weg zur himmlischen Seligkeit.

In der Folge ist dieses leuchtende »Amphörchen« noch zweimal in die Zeitlichkeit zurückgekehrt. Seit dem 14. Jahrhundert verbreitete zunächst eine tönerne »Ampel« mit einer Tülle an der Seite und einem langen Docht darin ihr Licht über häusliche Esstische, bis die neumodische französische »Lampe« dieser altdeutschen »Ampel« vorerst heimleuchtete. Und im frühen 20. Jahrhundert verschaffte der aufkommende Autoverkehr dem altväterischen Wort nochmals eine dauernde Verjüngung, als neue Verkehrs-»Ampeln« hoch über der Strassenkreuzung ihr wechselndes Rot und Grün signalisierten. In der französischen ampoule hat sich das alte Wort aus der Öllampen- in die Glühlampenzeit herübergerettet, und im Deutschen ist da nebenbei noch die saloppe »Pulle« abgefallen.

Was für eine Springprozession der Bedeutungen über zwei, drei Jahrtausende hinweg ...“ (17–19)

Die „Springprozession der Bedeutungen“ – ebenso wie „die springlebendige Allgegenwart der antiken Kultur in der Welt von heute", bezeugt von den Vielhunderten, ja Tausenden  griechisch- und lateinischstämmiger Wörter im modernen Euro-Wortschatz, gerade auch in unserer Alltagssprache: sie hat Klaus Bartels seit Jahrzehnten im Blick, seit ihn der Schriftsteller, lateinische Epigrammatiker und Herausgeber der bedeutendsten Zeitung in Südwestdeutschland, Josef Eberle, als Kolumnist zu den Stuttgarter Nachrichten holte. Dort begründete er zwei ihm eigene literarische Gattungen, die Streiflichter aus der Antike und die Wortgeschichten mit dem Ziel, die Antike einem breiten Publikum näherbringen. Zurück zur „Springprozession der Bedeutungen“. Klaus Bartels erkennt auch „künstliche Prägungen" und „Fehlgriffe" im Leben der Wörter, etwa bei dem wuchernden Versatzstück „Bio.“:

„Die sogenannte »Biometrie« ist zum jüngsten Hieb- und Stichwort des politischen Diskurses um Sicherheit und Datenschutz geworden.

Die künstliche Prägung aus dem frühen 19. Jahrhundert vereinigt zwei geläufige Versatzstücke aus dem griechisch-lateinischen Fremdwörterbaukasten: das »Bio-«, nach dem griechischen bíos, im Schulwörterbuch einfach »Leben«, und die »-metrie«, nach dem griechischen métron, »Mass«. Das zweite, die »-metrie«, ist rasch ausgemessen: Wie die »Geometrie« im ursprünglichen Wortsinn eine »Erd-« oder »Landvermessung« bezeichnet, so deutet die »Biometrie« auf eine Art von »Lebensvermessung«: Da wird Lebendes vermessen; anfänglich galt der Begriff allgemein jeglicher Gewinnung und Auswertung biologischer Messdaten, der heute sogenannten »Biostatistik«.

Mit dem »Bio-« hat es nicht so einfache Bewandtnis. Das griechische Wort ist zuerst durch die bereits spätantike »Biographie«, die »Lebensbeschreibung«, und später nochmals durch die neuzeitliche »Biologie« in die neuen Sprachen eingegangen. Seither hat diese »Lebenswissenschaft« eine Vielzahl weiterer »Bio«-Komposita wie die »Biochemie«, die »Biosphäre« und die »Biodiversität« nach sich gezogen, und mit allen möglichen »ohne Chemie«, irgendwie »biologisch« produzierten »Bio«-Produkten hat sich die Reihe in jüngster Zeit noch munter fortgesetzt. Die »Biologie« ist eine künstliche Prägung des Bremer Naturforschers und Arztes Gottfried Reinhold Treviranus; der kühne Titel seines Hauptwerks »Biologie« aus dem Jahre 1802 bedurfte damals noch des klärenden Zusatzes »... oder Philosophie der lebenden Natur«. 

Da war dieser erste »Biologe« freilich an das falsche Wort geraten. Der griechische bíos deutet zuvörderst nicht auf das allem Lebenden, Pflanzen und Tieren, gemeinsame Leben, das die derart neu angesprochene Biologie erforscht – das wäre die griechische zoé gewesen –, sondern auf das spezifisch menschliche Leben und Erleben, das die seit der Spätantike so benannte Biographie beschreibt. In der Aristotelischen Zoologie bezeichnet der bíos allenfalls noch die verschiedenen Lebensstufen von Pflanze und Tier oder die besondere Lebensweise und den Nahrungserwerb dieser oder jener Tiergattung. Ein byzantinisches Lexikon bezeugt das rühmende Prädikat biologikós für Komödien, die »das Leben« lebensecht auf die Bühne bringen.

Mit einem derart gelebten, erlebten Leben haben die meisten neuzeitlichen  »Bio«-Fachwörter und zumal die jüngsten »Bio«- Labels nichts mehr zu schaffen“ (30f.).

Meine Erkenntnis nach der Lektüre der neuen Wortgeschichten. Es gleicht kein Wörterleben dem anderen. Die Wörter – speziell jene von griechisch-römischer Provenienz – tragen den Staub und immer auch die Patina ferner Zeiten mit sich, zeigen sich dabei aber unendlich wandlungsfähig und springlebendig. 


Aristoteles / Apuleius: Über die Welt. Griechisch – lateinisch – deutsch. 
Herausgegeben und übersetzt von Kai Brodersen,
(Sammlung Tusculum) Berlin: de Gruyter 2019.
192 S., gebunden mit Schutzumschlag,
ISBN 978-3-11-062768-8, € 29,95

cover aristoteles apuleius

Bei dem Titel  „Aristoteles / Apuleius: Über die Welt“ bin ich ins Grübeln gekommen. Welcher Aristoteles ist hier der Autor (bei Wikipedia findet man fast ein Dutzend Männer gleichen Namens), ist Apuleius jener Mann aus Nordafrika, berühmt durch einen Roman, in dem er das Märchen von Amor und Psyche erzählt? Und wie haben beide zusammengefunden? Kai Brodersen klärt solche Fragen schon im Klappentext zu dieser Ausgabe:  „Als Werk des großen Aristoteles ist eine Schrift Peri Kosmou (De mundo) überliefert, die das Wissen der klassischen Antike über Kosmologie, Geographie, Meteorologie und weitere Teile der Naturkunde, aber auch über die Rolle der Gottheit in der und für die Welt zusammenfasst. Im 2. Jahrhundert n. Chr. hat der heute vor allem als Autor des Romans Der goldene Esel bekannte Philosoph das Werk frei ins Lateinische übertragen und dabei für eine römische Leserschaft angepasst. Eine deutsche Übersetzung von Apuleius' De mundo fehlte bisher. Der vorliegende Band macht nun beide Werke erstmals zweisprachig zugänglich und erschließt ihre Bedeutung für die antike Kultur.“

Dass die Schrift Peri Kosmou als Werk des Aristoteles überliefert ist – Apuleius folgt nach seinen Angaben im Proömium nur zwei Philosophen, nämlich Aristoteles und Theophrast – bedeutet nun nicht, dass sie aus seiner Feder stammt, denn in den Katalogen der Werke des Aristoteles aus der Lebenszeit des Philosophen findet sich kein Beleg dafür, auch Diogenes Laertios nennt diesen Titel nicht. Die neuere Forschung stimmt weitgehend darin überein, dass  Aristoteles nicht der Autor ist. Dennoch hat das Buch, das knapp darstellt, was die vorchristliche Antike über Gott und die Welt dachte, seine Geschichte. Apuleius nennt für seine lateinischen Leser des öfteren Belege aus der lateinischen Literatur, er zitiert etwa Quintus Ennius, Marcus Porcius Cato, Gaius Sallustius Crispus, Lucretius Carus und vor allem Publius Vergilius Maro. Er benutzt auch Aulus Gellius, und zwar dessen Kapitel über die Winde; Brodersen nimmt diesen Text in den Anhang (172–181) auf; Apuleius nennt insgesamt zwölf Winde sowie regionale Winde, die eigene Namen tragen. 

Größere Erwähnung findet der Apuleiustext bei Augustinus in dessen Werk „Über den Gottesstaat“. Als Beleg für die vernichtende Gewalt der Natur verweist der Christ Augustinus (Gottesstaat 4,2) auf den nichtchristlichen Philosophen und Gelehrten Apuleius und speziell auf dessen Werk  „Über die Welt“, aus dem er eine lange Passage referiert. Er bezeichnet übrigens noch mehrfach seinen Landsmann als Apuleius Afer Platonicus (8,12) und Apuleius Platonicus Madaurensis (8,14).

Der Herausgeber erleichtert das Vergleichen der beiden Haupttexte durch Vor- und Rückverweise sowie durch Kapitelnummern und weitere Angaben. Sein Ziel war es,  „mit der ersten deutschen Übersetzung des Werkes De Mundo von Apuleius und der Präsentation beider Werke in einer Ausgabe ... ein faszinierendes Kapitel antiker didaktischer Literatur und ihrer Übertragung neu zu erschließen“ (22).


Johan Schloemann: „I have a dream“. Die Kunst der freien Rede.
Von Cicero bis Barack Obama. Verlag C. H. Beck, 
München 2019. 288 Seiten, 24,00 €, 
ISBN-13: 9783406741890, als e-book 19,99 €

cover schloemann rhetorik

Eine gekonnt gemachte Universitätsvorlesung ohne die Krücken von Powerpoint hat immer ihren besonderen Reiz. Dieser wird noch gesteigert, wenn der Redner auf ein Manuskript verzichtet. Ich könnte durchaus eine Reihe von Professoren nennen, die diesem Ideal genügten und dafür bei ihren Hörern große Anerkennung erfuhren. Wer wünscht sich nicht die Fähigkeit, elegant aus dem Moment formulieren zu können! Wer möchte nicht die rhetorische Beweglichkeit besitzen, spielend die verbalen Attacken eines Gegners zu erwidern? Wir können es täglich in den Medien beobachten, auch wenn dort mit allen Mitteln der modernen Technik gearbeitet wird: Die Reden von Barack Obama wirkten spontan, doch er hat sie zumeist vom Teleprompter abgelesen. Donald Trump nutzt diese Technik natürlich auch, aber er punktet bei seinen Anhängern lieber mit impulsiven Ausfällen. In beiden Fällen zeigt sich die Macht und die Gefahr solchen öffentlichen Redens. In diesem Buch geht es nicht nur um die positiven Wirkungen der Kunst der freien Rede, sondern auch um ihre Risiken.  Eine Rede sollte nicht zu elitär und zu präpariert wirken, denn dann wird sie zur drögen Vorlesung. Eine Stegreifrede ist ein Kampf um Glaubwürdigkeit, quasi eine Passage zwischen Skylla und Charybdis.

Johan Schloemann, klassischer Philologe und promoviert mit einer Arbeit zur griechischen Rhetorik, ist bei der Süddeutschen Zeitung  im Feuilleton für Geisteswissenschaften und Debatten zuständig ist. Er präsentiert ein Teilgebiet der Rhetorik, nämlich die Stegreifrede, in einem  Panorama von Homer bis zur Gegenwart.

Das goldene Zeitalter der „Stegreifrede“ ist das griechische Altertum, so schreibt Wolfgang Hellmich in der NZZ vom 17.10.2019. Die antiken Redner waren jedoch nicht unbedingt talentierter als die modernen. Sie mussten frei reden, denn man misstraute der Schrift. Die griechische Kultur basiert in wesentlichen Bereichen auf Mündlichkeit. Die Redner mussten sich deshalb wirkungsvolle rhetorische Kniffe einfallen lassen.

Die freie Rede gilt als rhetorische Königsdiziplin.  Johan Schloemann hat sich diese rhetorische Form in seinem Buch in acht Kapiteln genauer angesehen (er entwirft also nicht etwa ein Lehrbuch oder eine Geschichte der Antiken Rhetorik!) . Auf das Einleitungskapitel folgen Kapitel 2: Rhetorik wird professionell: Die Einführung der Schrift in die Redekunst im klassischen Athen. – Kapitel 3: Demokratisches Plädoyer für die Stegreifrede: Der Widerstand gegen die schriftliche Vorbereitung in der griechischen Rhetorik. – Kapitel 4: Brauchte Cicero Notizen? Öffentliches Reden und Improvisation in Rom. – Kapitel 5: „Öffne den schwachen Mund, löse die stammelnde Zunge”: Die inspirierte Rede im Christentum. – Kapitel 6 England, Amerika, Frankreich: Die Blüte der frei gehaltenen Rede in Revolution und Republik. – Kapitel 7: „Das vielschreibendste Volk der Erde“: Deutschlands Sehnsucht nach dem lebendigen Wort, von der Aufklärung bis zum Bundestag. – Kapitel 8: Soundbites, Teleprompter und Twitter-Politik: Das Ende der Rhetorik in der digitalen Gegenwart?

Der griechische Logograph (Schreiber von Gerichtsreden) Lysias (ca. 445–380) verfasste für seine Auftraggeber in Athen Reden mit genau berechneter Wirkung, und das mit Erfolg. In römischer Zeit kursierten von Lysias 230 als authentisch geltende Reden, 32 Reden sind heute unter seinem Namen überliefert. Solche Redenschreiber entwarfen und feilten an Texten, die ein Beklagter auswendig lernte und vor Gericht memorierte, selbstverständlich sollte er dabei möglichst authentisch wirken:

„Die Besonderheit im demokratischen Athen des 5. und 4. Jahrhunderts war, dass der Redner sich in der konkreten Redesituation keines Manuskripts bedienen durfte. Das Ablesen war absolut tabu. Gleichgültig, ob vor Gericht oder der Volksversammlung – hätte der Redner dabei schriftliche Aufzeichnungen in der Hand gehabt, so wäre dies ein eklatanter Bruch der oralen Unmittelbarkeit gewesen, eine Verletzung der gültigen demokratischen Gleichheitsfiktion. Es sollte ja der Grundsatz gelten, dass jedermann aus der Menge aufstehen und für sich selbst reden könne. Ein mitgebrachter Redetext hätte in den Augen des Athener Publikums in höchst ungünstiger Weise auf ein exklusives Expertentum verwiesen, auf eine spezialistische Sphäre der Vorbereitung, welche dem Zugriff der demokratischen Allgemeinheit und der aktuellen Redesituation entzogen wäre“(34).

Dass die Rede ohne Manuskript  zum Ausweniglernen präparierter Texte und zu allerlei Kunstgriffen der Mnemotechnik führte, wurde schon gesagt, Aristophanes parodiert in seiner Komödie Die Ritter einen solchen Schlagabtausch: ein „Wurstverkäufer”, der Rederecht und Redekunst beansprucht, wird von seinem Gegner folgendermaßen als Auswendiglerner verspottet: „Da du mal in einem Prozesschen gegen irgendeinen rechtlosen Fremden  erfolgreich gesprochen hast –
du hast dabei deine Rede die ganze Nacht lang auf der Straße vor dich hin repetiert und nachgeplappert, hast bloß Wasser getrunken und deine Freunde mit dem Aufsagen genervt –,
bist du zu der Überzeugung gekommen, du seist ein großer Redner. Du Idiot! Was für ein Unsinn!” (35).“

Aus dem Umfeld des Redners Demosthenes und von Aristoteles gibt es dann treffende Äußerungen zur Strategie der simulierten Mündlichkeit: „Reden, die für den Vortrag gedacht sind, sollen einfach und in ähnlicher Weise geschrieben sein wie diejenigen, die man aus dem Stegreif hält“ (45). In seiner Rhetorik beschreibt Aristoteles eine Methode, die man später dissimulatio artis/Verheimlichung der Kunst nennt: „Man muss die Rede so verfassen, dass man es nicht merkt, und den Anschein erwecken, dass man nicht künstlich fabriziert, sondern natürlich redet. Letzteres wirkt nämlich überzeugend, Ersteres nicht. Denn die Leute werden ungehalten (wenn das Künstliche spürbar wird), wie gegenüber jemandem, der sie überlisten will, so wie bei den gepanschten Weinen“ (44). Gemeint ist damit übrigens nicht das übliche Mischen des Weins mit Wasser vor dem Trinken, sondern das Strecken des Weins vor dem Verkauf an den Kunden, um unlauteren Gewinn zu machen.

Cicero und Quintilian haben die schriftliche Prägung der  abendländischen Kultur maßgeblich mitbestimmt und beide sind der festen Überzeugung, dass man am besten für die Improvisation durch intensive Übung im Schreiben gerüstet ist (68f). Das hatte der Grieche Alkidamas noch völlig anders gesehen: die Gewohnheit des Schreibens führe zu einer mentalen „Fesselung“ des Redners und behindere alle flüssige Beredsamkeit.

Cicero lässt seine Dialogfigur Crassus in De oratore konstatieren, es sei nützlicher, „wenn man sich Zeit zum Überlegen nimmt, um besser vorbereitet und sorgfältiger zu sprechen. Am wichtigsten ist jedoch das, was wir ehrlich gesagt am wenigsten tun – denn es kostet viel Mühe, die wir meistens scheuen –, möglichst viel zu schreiben. Der Schreibgriffel ist der beste und vorzüglichste Urheber und Lehrmeister für die Rede (stilus optimus et praestantissimus dicendi effector ac magister), und das mit gutem Recht. Denn wenn das Werk reiflicher Überlegung und Besinnung die Stegreif- und Zufallsrede leicht übertrifft, so wird es selbst gewiss von einer fleißig und sorgfältig ausgeführten schriftlichen Darstellung übertroffen“ (De orat. I, 150f.).

Auch Quintilian vertritt die Überzeugung, dass ohne eine ständige Schreibschule die Fähigkeit zur improvisierten Rede nur leere Geschwätzigkeit hervorbringen werde. Allerdings hat er sich auch intensiv mit der Improvisation beschäftigt. Er weiß, dass man immer wieder vom Schreibgriffel, sprich: von seinem Text abweichen muss (a stilo recedere). „Und wie der Steuermann seine Maßnahmen je nach dem Einfall der Sturmwinde ändern muss, so der Prozessredner nach der Vielfalt der Fälle“ (71; Quint. 10,7,2–3). Doch wäre das Reden in der hinfort durch und durch schriftlich geprägten abendländischen Kultur vielleicht in der Kunstlehre erstarrt, wenn nicht ein Korrektiv hinzugetreten wäre: die christlich ausbuchstabierte Idee von der durch Gott und Christus inspirierten, kunstlosen, aber besonders wirkungsvollen Rede (Kap. 7, S. 79ff). Johan Schloemann erweitert die Debatten aus der antiken Welt um  Positionen aus Humanismus und Neuzeit in England, den USA, Frankreich und Deutschland.

Uwe Walter greift in seiner Besprechung des Buches in der FAZ vom 15.11.2019 den Einstieg Schloemanns in die jüngere Debatte heraus (113f): Als das britische Unterhaus mitten im Zweiten Weltkrieg über die Wiedererrichtung des eigenen Gebäudes debattierte – die Kammer im Palast von Westminster war bei einem Bombenangriff ausgebrannt –, stellte sich Winston Churchill gegen den Vorschlag, bei dieser Gelegenheit die alte Sitzordnung durch einen großen Halbkreis nach kontinentalem Vorbild zu ersetzen und dabei zugleich allen Parlamentariern einen Sitzplatz zuzuweisen. In diesem Fall würden künftig neun Zehntel der Debatten „in der deprimierenden Atmosphäre einer fast leeren oder halbleeren Kammer abgehalten"

Die Essenz der guten Unterhausrede, so der Kriegspremier, sei „der Konversationsstil, die Leichtigkeit von schnellen, formlosen Unterbrechungen und Schlagabtausch“. Dieser Stil erfordere einen eher kleinen, Intimität herstellenden Raum; bei wichtigen Angelegenheiten solle es gerade ein „Gefühl von Gedränge und Dringlichkeit geben“. Die Demokratie, für die England gerade kämpfe, brauche das Parlament als „ein starkes, behendes, flexibles Instrument der freien Debatte“.

Wie die Fernsehbilder von den aktuellen Debatten aus dem Unterhaus zeigen, sitzen Regierung und Opposition dort nach wie vor einander beinahe auf Armeslänge gegenüber und steht zum Sprechen auf, wer das Glück oder Privileg hat, einen Sitzplatz ergattert zu haben. Angesichts des unbestreitbaren sachlichen Versagens der Kammer in der aktuellen Brexit-Frage wurden belehrende Stimmen laut, die Briten sollten doch bitte ihr parlamentarisches System dem europäischen Modell anpassen. Die Lektüre des vorliegenden Buches, in dem Churchills Argument für das Festhalten an der britischen Tradition zu finden ist, legt indes nahe, es eher mit diesem zu halten.

Was aus der frei gehaltenen Rede in der digitalen Zukunft werden wird, weiß auch Schloemann nicht zu sagen. In der Gegenwart stellen die Twitter-Schnipsel von 140, bzw. seit 2017 280 Zeichen nur eine Facette der neuen Kommunikation dar. Der Sophist Gorgias hatte Kommunikation noch ausschließlich als persönliche Präsenz verstanden: „Wie aber könnten Reden stattfinden, wenn es nicht zu irgendeiner Zusammenkunft käme“(221f). Schloemann registriert die Veränderungen durch den Teleprompter und andere kommunikative Instrumente, beobachtet aber „auch im klassischen, nach Programmschema sendenden Fernsehen und Radio ... neben den nach Skript ablaufenden Formaten viel unvorbereitetes Sprechen, etwa in Interviews und Talkshows. ... Eine heitere Variante ohne politische Überzeugungsabsichten sind Stegreifkomik-Sendungen“ (235f.). Auch neue Formen wie der „Science Slam" sind hier zu nennen. Ungeachtet aller Optionen durch die neuen Medien brauchen wir in jedem Fall, so das Fazit von Johan Schloemann, nach wie vor „den überzeugenden Auftritt, der das Risiko des Stegreifs sichtbar und hörbar macht“.


Neulatein. Eine Textsammlung, Lateinisch/Deutsch,
ausgewählt und herausgegeben von Martin Korenjak,
Reclams Universal-Bibliothek Nr. 19610,
Ditzingen 2019, 444 Seiten, 15,00 €, 
ISBN 978-3-15-019610-6

cover neulatein

Martin Korenjak trat nach Studium und Promotion in Innsbruck und Heidelberg  2003 eine Professur der Klassischen Philologie mit Schwerpunkt Latinistik in Bern an. Im Februar 2009 wechselte er an die Universität Innsbruck als Professor für Klassische Philologie und Neulatein. Vor einigen Jahren  erschien von ihm das Buch „Geschichte der neulateinischen Literatur: Vom Humanismus bis zur Gegenwart“, C. H. Beck, München 2016  (vgl. LGBB Heft 4–2016, 96–96). Dort war zu lesen: Die neulateinische Literatur umfasst das Schrifttum vom Beginn der Renaissance bis zum heutigen Tag und stellt europaweit die bedeutendste Literatur der frühen Neuzeit dar. Die rasanten politischen und geistesgeschichtlichen Entwicklungen dieser Epoche von Lissabon bis Moskau und von Island bis Sizilien bilden sich in der neulateinischen Literatur nicht nur ab, sondern wurden durch sie maßgeblich mitgeprägt. Das machte mich damals neugierig, umso mehr als er mit einer langen Liste namhafter Autoren aufwartete: Die Zahl bedeutender neulateinischer Autoren ist Legion – Petrarca, Nikolaus von Kues, Pius II., Celtis, Erasmus, Luther, Calvin, Bodin, Scaliger, Lipsius, Bruno, Bacon, Grotius, Descartes, Kircher, Balde, Leibniz, Newton und viele, viele mehr. Darunter auch Dichterinnen und Denkerinnen wie Olympia Fulvia Morata und Anna Maria von Schürmann. 

Nun legt Martin Korenjak in Form eines 444 Seiten starkes Reclambändchens einen Reader vor, der erstmals einen systematischen Zugang zu den vielfältigen Themengebieten und Textformen schafft. Seine repräsentative Auswahl mit Texten von 1350 bis ins 20. Jahrhundert samt Einführung und Erläuterungen bietet einen idealen Einstieg. Denn neulateinische Texte werden in Schule und Studium immer wichtiger, so Korenjak. Denn sie entstanden erst in der Neuzeit! Von der Frauenbildung bis zum Völkerrecht, vom Blutkreislauf bis zur Gravitation – kaum eine Idee wurde nicht zuerst auf Latein ausgesprochen. Indem die neulateinische Literatur den Intellektuellen von Lissabon bis Kiew und von Island bis Sizilien ein gemeinsames Medium bot, in dem sie einander neue Vorstellungen und Entdeckungen mitteilen und darüber diskutieren konnten, trug sie selbst maßgeblich zu der großen Metamorphose bei, an deren Beginn das mittelalterliche und an deren Ende das moderne Europa stand. Sie zählte zu den wichtigsten Motoren des stürmischen Fortschritts, der die frühe Neuzeit charakterisierte. Nicht zuletzt mithilfe gedruckter Lehrbücher erweiterte sich auch der Kreis der Lateinkundigen stetig, der im Mittelalter mehr oder weniger auf den Klerus beschränkt gewesen war, auf andere Bevölkerungsgruppen, insbesondere auf das Bürgertum. So sprach und schrieb man im größten Teil Europas und in der Folge auch in von Europäern entdeckten, missionierten und kolonisierten Gebieten im Rest der Welt – beispielsweise in Nord- und Südamerika, China und Japan – ein im Wesentlichen klassizistisches Latein.

Aus kaum einem Lebensbereich also war das Neulatein wegzudenken – aus der Kirche so wenig wie aus der Landwirtschaft, aus der Diplomatie so wenig wie aus den Wissenschaften, aus der Kunst so wenig wie aus der Belletristik. In der Botanik beispielsweise war Latein von 1906, als die Benennungs- und Beschreibungspraxis erstmals international kodifiziert wurde, bis 2012 für die Erstbeschreibung neuentdeckter Pflanzenarten zwingend vorgeschrieben (Vorwort, 12).

Dass Latein die Sprache der alten Römer war, weiß jeder, und auch seine Bedeutung als Kirchen- und Bildungssprache des Mittelalters dürfte den meisten geläufig sein. Wesentlich weniger bekannt ist die Tatsache, dass der größte Teil des lateinischen Schrifttums weder in der Antike noch im Mittelalter, sondern vielmehr in der Neuzeit entstanden ist. Tatsächlich stammen aus der römischen Antike bestenfalls einige Tausendstel des überlieferten Textbestandes, aus dem Mittelalter nicht mehr als ein paar Prozent. Der Löwenanteil der heute erhaltenen lateinischen Texte, vielleicht 95%, wurde vom Beginn der Renaissance im 14. Jahrhundert bis heute verfasst (Vorwort, 9).

Neugierig macht dabei nun die Frage der Auswahl für ein kleinformatiges Buch von 444 Seiten. Versammelt sind (in Auszügen) 31 Prosatexte und 15 Texte, die zur Dichtung zählen. Wichtig und sehr hilfreich ist, dass jedem Text eine ganzseitige Einführung zum jeweiligen Autor und dem ausgewählten Text vorausgeht. 

Vielleicht kann ich Sie für dieses Buch, das eine Fülle von Themen anspricht, mit einem kleinen Auszug begeistern, den Sie in die nächste Lateinstunde mitnehmen können, er stammt von Battista Mantovano (1447–1516), der eigentlich Giovanni Battista Spagnioli hieß und auch den Beinamen Christianus Maro trug, der 1498 einige Hirtengedichte unter dem Titel Adolescentia/Jugend herausbrachte. Er gibt – angelehnt an Vergil, doch in ihrem Realismus weit darüber hinausgehend – „eine wirklichkeitsnahe Darstellung des Landlebens und verbindet diese mit vehementer Kritik an der Ausbeutung der Bauern durch die Städter“ (313), das Werk erlebte allein im 16. Jahrhundert rund 160 Ausgaben und wurde Schullektüre:

O Fulica, improbitas urbana coinquinat orbem.
Unde tot in terras veniunt aestate procellae,
fulmina, venti, amnes, grando? Vidisse recordor
tellurem tremere ac postes et tecta labare,
solem obscurari, noctu obtenebrescere lunam.
Cur segeti lolium, messi dominantur avenae,
uva in capreolos transit, caligine verni
depereunt flores? Mala parturit omnia nobis
haec civile nefas, parturiet quoque plura deinceps. (S. 320, Z. 235–243)

Ach, Fulica, die Bosheit der Städter verdreckt die ganze Welt! Woher kommen denn im Sommer so viele Orkane, Blitze, Stürme, Überschwemmungen, Hagelschläge über die Erde? Ich erinnere mich, gesehen zu haben, wie die Erde bebte, Pfosten und Dächer wankten, die Sonne sich verdunkelte und nachts der Mond sich verfinsterte. Weshalb gewinnt der Lolch (sc. ein Süßgras, das Getreidefelder durchsetzte und durch Pilzbefall Vergiftungen hervorrufen konnte) die Überhand über die Saat, der Wildhafer über die Ernte, wachsen nur Ranken statt Trauben, gehen die Frühlingsblumen zugrunde, weil sie nicht genügend Licht bekommen? All diese Übel gebären uns die Verbrechen der Bürger, und sie werden uns in Zukunft noch mehr davon gebären. (321)

Die Idee Martin Korenjaks mit diesem Buch ist es, einem breiteren Publikum einen Überblick über die neulateinische Literatur als Ganzes zu bieten. Anhand einer Reihe ansprechender lateinischer Texte samt deutscher Übersetzung bietet er einen formal, thematisch, geographisch und chronologisch repräsentativen Querschnitt durch die neulateinische Literatur. Natürlich weiß er, dass viele wichtige Textsorten nicht oder nur eingeschränkt anthologiefähig sind, etwa wissenschaftliche Werke inm technischem Fachlatein, Gebrauchstexte wie Lehrbücher, Gesetze oder Protokolle, Kommentare zu anderen Texten, Übersetzungen volkssprachlicher Werke ins Lateinische oder Texte, die sich auf Bilder und Diagramme beziehen. An oberster Stelle stand der Wunsch, möglichst gute, interessante Texte zu bieten. Inhaltlich werden so gut wie alle großen Themen der frühen Neuzeit verhandelt. In zeitlicher Hinsicht beginnt die Auswahl mit Petrarca im 14. und endet mit Giovanni Pascoli im frühen 20. Jahrhundert.

Kürzlich kam mir ein Satz unter: „Neues Wissen kommt vor allem dann ins Spiel, wenn altes Wissen hinterfragt wird.“ Diese Anthologie bietet gute Gelegenheit dazu.


Maier, Friedrich: Imperium. Von Augustus zum Algorithmus – Geschichte einer Ideologie,
Herausgegeben von Rudolf Henneböhl, Ovid-Verlag,
Bad Driburg, 2019, 224 Seiten, 
ISBN 978-3-938952-8, 10.00 €

cover maier imperium

Die bildungspolitische Debatte in den letzten beiden Jahrzehnten zeigt, dass Bildung immer mehr einem Diktat der Funktionalität unterliegt, das gerade die menschlichen Aspekte zu reduzieren droht und auf Dauer auch die Legitimation der Alten Sprachen insgesamt in Frage stellt. Gegen solche Tendenzen der Reduzierung von Bildung auf Ausbildung und auf formale Bildung (ohne inhaltliche Substanz) wenden sich die humanistisch orientierten Schriften von Friedrich Maier.

2016 erschien der Band „Ich suche Menschen“. –Humanität und humanistische Bildung  mit sieben Essays, 2018 der Titel „Allgewaltig ist der Mensch …“ – Literarische Grabungsversuche im Boden der Alten Welt  mit 13 Essays, Meist stehen „klassische Stellen“ („loci classici“) im Mittelpunkt . Von solchen Grundtexten sind gravierende Wirkungen ausgegangen auf Europa und die Welt.  Auch sind in ihnen die geistig-kulturellen Fundamente unseres heutigen Selbstverständnisses zu fassen. Deshalb dürfen sie nicht in Vergessenheit geraten. 2019 erschien nun der jüngste Titel der Trilogie: „Imperium“. – Von Augustus zum Algorithmus - Geschichte einer Ideologie.

Auch dieser Band besteht aus 13 Essays: Im Einführungsteil nimmt Friedrich Maier die Begriffe „Imperium und Imperialismus“ in den Blick. Sodann folgen als Hauptteil „Ereignisse, die erkennbar, zuweilen auch expressis verbis von der römischen Herrschaftsideologie bestimmt sind – in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“: 1.  Das Doppelgesicht der Herrschaft – Der grauenvolle Akt am Anfang. – 2.  „Barbaren“ als Feindbild – Ein Naturrecht auf Herrschaft? – 3.  Herrschaft durch Sprache – Propaganda zwischen den Zeilen. – 4.  „Die Räuber der Welt“ – Hetzreden gegen das Imperium. – 5.  Der göttliche Augustus – und sein „blutiger Frieden“, – 6.  Dichter am Cäsaren-Hof – Hofieren oder Verlieren. – 7.  Cäsarenwahn und „Pressefreiheit“ – „Wir erlebten das Äußerste an Knechtschaft“. – 8.  „In diesem Zeichen wirst du siegen.“ – „Allianz zwischen Antike und Christentum“. – 9.  „Gerechte Kriege“ für die Christenheit - Politik „im Zeichen des Kreuzes“. – 10. „Europa“ – Herrin der Welt – Auf den Fundamenten der Antike. – 11.  Christsein ohne Herrschaftsanspruch? - Der franziskanische Widerspruch. – 12.  Die Herrschaft über die Natur – Ikarus, Symbol des Scheiterns. – 13.  „Die Macht des Algorithmus“ – Auf der Flucht ins Universum. – Am Schluss steht eine Nachbetrachtung: Die Geschichte der Zukunft – Warum interessiert die Vergangenheit?

Friedrich Maier spannt den weiten Bogen von der römischen Antike bis in die moderne Gegenwart: Was hat Augustus mit dem Algorithmus gemein? Der eine, der in ferner Vergangenheit als Erster auf dem römischen Cäsarenthron die ganze bewohnte Erde beherrschte, der andere, der in Zukunft weltweit die digitalen Systeme der Lebensbewältigung steuern und beherrschen wird. Der eine schon zu Lebzeiten vergöttlicht, der andere auf dem Wege dazu, Gott aus dem Universum zu verdrängen. Die Herrschaftsdoktrin ist es, die beide verbindet. Sie ist von den Römern „entdeckt“, begründet und praktiziert worden. Das Imperium Romanum verdankt ihm seine Entstehung und Größe – und seine überragende Wirkmacht über die Jahrtausende hinweg.

Sie firmiert seit dem vorletzten Jahrhundert unter dem Begriff des Imperialismus.Die Ideologie des Imperium Romanum hat das antike Rom überdauert und ist in allen Formen von Herrschaft zum Tragen gekommen, weit über den Bereich der Politik hinaus. Sie ist gleichsam zu einem Herrschaftsmodell geworden auch für Religionsverbreitung, Industrialisierung, Naturbemächtigung, Wirtschaftsdominanz und technologische „Welteroberung“. Der Begriff „Imperialismus“ wird deshalb heute für all diese Formen von Machtausübung verwendet. In dieser Ideologie treffen sich der Herrscher Augustus und das „Steuerungsgenie“ Algorithmus.

Der Weg, den das imperialistische Herrschaftsmodell von der Antike über das Mittelalter und die Neuzeit bis in das moderne digitale Zeitalter genommen hat, wird in diesem Buch mithilfe einschlägiger, meist lateinischer (aber übersetzter) Texte erforscht und verständlich dargestellt. Die Geschichte Europas und der Welt wird unter solchem Vorzeichen in einer neuen Weise verlebendigt und zugleich hinterfragt. Aus der Herkunft ergibt sich die Frage nach der Zukunft: wie und inwieweit wird sich die allseits prognostizierte Herrschaft der „Maschine“, d. h. des Superroboters und der Künstlichen Intelligenz, am antiken Muster der Machtausübung orientieren und welche Folgen sind daraus zu erwarten?

Albert von Schirnding schreibt im Forum Classicum über „Imperium“: „Ein großes und kühnes Verdienst des Buches von Friedrich Maier scheint mir in der Schonungslosigkeit zu liegen, mit der er eines der römischen Herzworte, eben den Imperium-Begriff, im Hinblick auf seine unmenschliche Realität hinterfragt. Dabei legt er, was das Kind mit dem Bad ausschütten würde, nicht einfach den Maßstab einer aufgeklärten Metaphysik der Sitten an, sondern geht auch hier von antiken Texten aus. ... Bei dieser Gelegenheit ist nachdrücklich hinzuweisen auf die reiche und originelle Illustrierung des in jeder Hinsicht ansprechenden Bandes, dem man weiteste Verbreitung wünscht. Er ist nicht nur krönender Abschluss einer im selben Verlag erschienenen, für Humanität und humanistische Bildung überzeugend plädierenden Essay-Trilogie, sondern auch Summe eines ganzen Lebenswerks.“ 


Weeber, Karl-Wilhelm: Spectaculum. Die Erfindung der Show im Antiken Rom,
Herder Verlag, Freiburg i. Br., 2019, ISBN 978-3-451-38174-4, 368 Seiten, 32,00 €, als e-book 21,99 €

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Auch das Vergnügen des Ritters ist mittlerweile vom Ohr zu den unsteten Augen und zu nichtigen Freuden gewandert. (Horaz, epist. II 1,87f.: verum equitis quoque iam migravit ab aure voluptas / omnis ad incertos oculos et gaudia vana). Mit diesen zwei Versen bringt der Dichter Horaz einen zentralen Befund auf den Punkt: Die meisten seiner Landsleute waren ausgesprochene Augenmenschen.“ So beginnt Karl-Wilhelm Weeber sein neues Buch unter der ersten Kapitelüberschrift: „Schauen, was gezeigt wird. Eine Einführung in die römische Augenkunde“, 7ff. „Der Adressat des literarischen Briefs, in dem Horaz sich von diesen „hohlen“  Schauvergnügen distanziert, ist übrigens Augustus. Und es gehört schon einiger Mut dazu, solche kritische Anmerkungen zum spectacula-Betrieb seiner Zeit ausgerechnet gegenüber dem ersten Mann im Staate zu äußern. Denn auf der einen Seite war Augustus selbst ein passionierter Zuschauer, der auch an ziemlich rustikalen Schauveranstaltungen Gefallen fand. Zu anderen führte er geradezu programmatisch die politische Tradition der Republik fort, sich der Gunst des Volkes durch die Ausrichtung öffentlicher Spiele zu versichern. Er baute dieses Spiele-„System“ intensiv aus und monopolisierte es in Rom geradezu für sich als Kaiser.“(10)

Das Phänomen des spectare illustriert Weeber an einigen Beispielen aus dem öffentlichen und privaten Raum, betont allerdings, dass es kein Problem wäre, den Befund auf weitere Bereiche auszudehnen, was freilich den Rahmen des Buchs gesprengt hätte. Er wählt folgende Beispiele und widmet ihnen jeweils ein Kapitel seines Buches: Sinnstiftung mit Erlebniswelt. Der Triumphzug, 13ff. – Drei Triumphe, die keine Triumphe waren. Showmaster Nero, 55ff. – Spectacula als Massenunterhaltung. Theaterspiel und Wagenrennen, Gladiatorenkämpfe, Tierhetzen und Schauathletik, 83ff. - Naumachische Superlative. Seeschlachten mitten in der Stadt, 147ff. – Entblätterung zum Blütenfest. Eine öffentliche Striptease-Show, 163ff. – Vergeltung und Abschreckung, Schaulust und Thrill. Hinrichtungen als spectacula, 171ff. – „Kein schöner Schauspiel“. Leichenbegängnisse in Roms Hocharistokratie, 197ff. - Von Freunden umringt aufs Forum. Der aristokratische Power-Wald, 217ff. – Kulinarische Versuchungen. Das Gastmahl als Bühne der Selbstdarstellung, 229ff. - Rhetorisch mit theatralischen Einlagen. Die römische Gerichtsshow, 263 ff. – Schauen und Staunen. Die ewige Stadt als visuelle Wunderwelt, 287ff. – Es folgen Literaturangaben, Abbildungsnachweise und Anmerkungen mit den entsprechenden Quellenangaben bei den antiken Autoren, sowie mehr als ein Dutzend Bildseiten zur Illustration, 353ff.

Es versteht sich von selbst, dass Karl-Wilhelm Weeber der Nachweis,  die größten Shows und Spektakel der heutigen Zeit hätten eine lange Tradition und ihre Anfänge lägen im antiken Rom, in ebenso unterhaltsamer wie informativer Weise gelingt.  Er demonstriert, dass die Promi-, Talk- und Sportevents unserer Tage bis in jene antiken Zeiten zurückreichen. Mit Geschichten und Anekdoten zeigt er den unwiderstehlichen Reiz des Spektakels. 

Besonders interessant fand ich das letzte Kapitel des Buches: „Schauen und Staunen. Die ewige Stadt als visuelle Wunderwelt“ (287ff). Weeber bringt den Leser in die Rolle, in welche der Historiker Ammianus Marcellinus den Kaiser Constantius II. versetzte, der vom 28. April bis zum 29. Mai des Jahres 357 n. Chr. seiner Hauptstadt einen Besuch abstattete, dreißig Jahre, nachdem Konstantin den Regierungssitz nach Konstantinopel verlegt hatte. Er kam also wie ein Tourist in die Ewige Stadt und absolviert ein klassisches Besuchsprogramm („Von Seherlebnissen überwältigt. Ein römischer Kaiser zu Besuch in Rom“, 288ff). Ammianus beschreibt nun, wie sich der Kaiser kaum sattsehen konnte, wie ihn die visuellen Eindrücke geradezu aus dem Gleichgewicht zu bringen drohten. „Wohin sich seine Augen auch wandten, wurde er von der dichten Menge der Wunderwerke geblendet“ (miraculorum densitate praestrictus). Dabei hatte die Stadt Rom zu dieser Zeit kein geringes Problem, Rom war nicht mehr Hauptstadt und der kaiserliche Bauherr abgewandert. Die Antwort hieß: Erhalt der Bausubstanz. „Das neue Konzept hieß visuelle Macht statt realer Macht. Es löste notgedrungen das alte Konzept ab, in dem visuelle Macht als Ausdruck realer Macht stand“ (291).


Catull. Schreiben zwischen Hass und Liebe, Reihe explora! Bearbeitet von Roswitha Czimmek und Antje Sucharski, C. C. Buchner Verlag Bamberg 2019, 44 Seiten, 11,60 €, ISBN: 978-3-661-43203-8 

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Mission: Rom. Vergil, Aeneis Buch 1. Reihe ratio express, bearbeitet von Benjamin Färber, Michael Lobe, Stefan Müller und Stephan Renker, C. C. Buchner Verlag Bamberg 2019, 48 Seiten, 11.00 €, ISBN 978-3-661-53072-7

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Zwei Ausgaben für den Lektüreunterricht, die im Lauf des Jahres bei C. C. Buchner in Bamberg erschienen sind; zwei Konzepte für einen gelingenden Unterricht unter veränderten Bedingungen. Jedes explora!-Heft (bislang gibt es drei, nämlich zu Ciceros Verres, Ovids Metamorphosen und Catulls Carmina; angekündigt ist für 2020 eine Ausgabe zu Caesars Bellum Gallicum) stellt eine eigene Unterrichtsreihe mit Einführung in den historischen oder autorenbezogenen Hintergrund und durchgängigen „roten Fäden“ dar. Leitgedanke ist das „Quid ad nos?“: Die Schüler sollen zur selbstständigen Auseinandersetzung mit den originalen Texten und ihrer Sprache befähigt werden. Um dies auch bei heterogenen Klassen zu ermöglichen, sind alle Bände als Arbeitshefte konzipiert; weitere Unterstützung findet sich im digitalen Lehrermaterial, z.B. ist kapitelweise das Vokabular des Grundwortschatzes im pdf-Format aufgelistet. Herausgeber dieser neuen Reihe sind Thomas Doepner, Marina Keip und Antje Sucharski. 

Die Reihe ratio express hingegen begleitet die Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zum Abitur. Zwölf Ausgaben gibt es bislang, herausgegeben von Michael Lobe, etwa zu Ovid, Vergil, Livius, Sallust, Tacitus, Cicero, Seneca und Augustinus. Die Textauswahl (in der Ausgabe zu Vergils Buch 1 sind es 16 überschaubare Texte auf jeweils einer Doppelseite) sowie die inhaltliche Schwerpunktsetzung orientieren sich an den Vorgaben der jeweiligen Bundesländer. Die an Abituraufgaben angelehnten, operatorenbasierten Fragestellungen ermöglichen eine umfassende Texterschließung und führen gleichzeitig an das Format der Abiturprüfungen heran. Auch zu diesen Ausgaben stellt der Verlag digitales Lehrermaterial zur Verfügung.

Für einen sicheren Umgang mit dem Text werden Originaltexte gezielt vorentlastet – durch Aufgaben zum jeweils benötigten Wortschatz, Grammatikstoff und zur Textvorerschließung. Die Texte sind mit ad lineam-Kommentar, Hintergrundinformationen zur Vertiefung des Textverständnisses, durchdachtem Bildmaterial und kompetenzorientierten Texterschließungsfragen aufbereitet. Kompetenzmodule zu Oberstufentechniken wie Texterschließung und Wortbildung fassen das grundlegende methodische Wissen zusammen. 

Das explora!-Arbeitsheft mit ausgewählten carmina des Dichters Catull führt in die Zeit des Untergangs der Römischen Republik, in der sich die junge Generation von überkommenen Werten lossagt. Diese Auseinandersetzung wird anhand der Themen Gesellschaftskritik, Individuum und Tradition, Emotionalität und Liebesleid deutlich gemacht. Zudem wird in die Grundlagen römischer Lyrik eingeführt (vgl. Ars metrica, S. 20f.).

Abwechslungsreiche, kompetenzorientierte Aufgaben, bei denen die historische Kommunikation im Mittelpunkt steht, führen über die Vor- und Texterschließung zur Übersetzung und Interpretation der Gedichte. Zahlreiche Kreativaufträge wie das Schreiben von WhatsApp-Nachrichten, aber auch von Epigrammen und inneren Monologen runden die persönliche Beschäftigung mit einem jungen Dichter ab, der oft ganz modern zu sein scheint. 

Die als Arbeitsheft konzipierte Textausgabe holt Schülerinnen und Schüler dort ab, wo sie nach der Lehrbuchphase stehen, und erweitert gezielt ihre Kompetenzen in allen Bereichen des Lateinunterrichtes (Wortschatz – Grammatik – Text/Interpretation – Realienwissen). Textbezogene Sprachaufgaben zu Morphologie, Syntax und Semantik dienen sowohl der Vorentlastung als auch der Vertiefung der Sprachkompetenz.

Die Kulturkompetenz soll in textimmanenten sowie textüberschreitenden Interpretationsauf-gaben systematisch entwickelt werden. Der Lehrerkommentar enthält Hintergrundinformationen für die Hand des Schülers und des Lehrers, Vorschläge für die Strukturierung des Materials, methodisch-didaktische Hinweise, Lösungen, kleinschrittige und besonders anspruchsvolle Aufgaben zur Binnendifferenzierung, ergänzende Aufgaben und zusätzliche Erklärungen zur vertieften Wiederholung sowie zu jedem Text einen aufbereiteten und adeo-basierten Wortschatz. 

Im Mittelpunkt der ratio express-Ausgabe zu Vergil stehen die wesentlichen Passagen des ersten Buches von Vergils Aeneis: das Proömium, die Seesturmepisode mit Aeolus und Neptun, die Klage der Venus, die Jupiterprophetie, die Epiphanie der Mutter Venus als Jägerin, die erste Begegnung des Aeneas mit der Karthagerkönigin Dido. Darüber hinaus werden Verbindungslinien zu weiteren zentralen Episoden und Charakteristika des vergilischen Epos und zur augusteischen Zeit gezogen, sodass ein Gesamteindruck von Werk und Epoche entsteht. 

Es gibt übrigens noch ein weiteres Vergilbändchen in dieser Reihe, nämlich zu Aeneis Buch 6. Im Mittelpunkt dieser Ausgabe stehen die wesentlichen Passagen des Unterweltbuches aus Vergils Aeneis – etwa die Begegnungen des Aeneas mit der Seherin Sibylle, dem Fährmann Charon, der Karthagerkönigin Dido und Vater Anchises. 

In der Ausgabe zum ersten Vergilbuch findet sich ein Lernwortschatz zu den 16 Textabschnitten, Informationen zur Metrik, ein Eigennamenverzeichnis und eine Übersicht über Stilmittel zu poetologischen und rhetorischen Absichten des Autors. Auf jeder Text-Doppelseite ist überdies eine Abbildung (in Farbe) mit Erläuterungen bzw. mehrere themengleiche Abbildungen zum Vergleich (mit entsprechenden Aufgaben) zu finden.

Lektüreklassiker fürs Abitur das eine, Methodenklassiker für den Lektüreeinstieg das andere. 

Nun braucht es nur noch die begeisternde, motivierende, fachkompetente, von den organisatorischen Niederungen des Schulalltags sich befreit fühlende Lehrkraft ...


Apuleius, Amor und Psyche, Lehrerkommentar, von Rudolf Henneböhl, 296 Seiten mit über 80 farbigen Abbildungen. Ovid-Verlag, Bad Driburg 2019, ISBN: 978-3-938952-20-7,  30 € / Studenten und Referendare: 22 €.

cover amor psyche lehrerkommentar

Apuleius, Amor und Psyche, Textband, von Rudolf Henneböhl, 2018  168 Seiten mit über 100 farbigen Abbildungen. Ovid-Verlag, Bad Driburg 2018 ISBN: 978-3-938952-19-1, 15 €.  Lehrerprüfstück: 12 €, Studenten und Referendare: 10 €.

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Apuleius, Amor und Psyche. Eine märchenhafte Liebesgeschichte, Textausgabe und Lehrerheft mit CD-ROM, ausgewählt und bearbeitet von Matthias Kuen mit Illustrationen von Verena Kuen (Reihe Libellus), Ernst Klett Verlag Stuttgart – Leipzig Text: 2018, 65 Seiten, 14,75 €; Kommentar: 2019, 40 Seiten, 15,95 €

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1983 erschien im Verlag Ploetz Freiburg/Würzburg von Paul Barié und Klaus Eyselein eine Ausgabe von „Amor und Psyche”. Ein Liebesmärchen des Apuleius“ (Textband und Lehrerheft, je 84 Seiten) in der Reihe FRUCTUS – Arbeitsmaterialien Latein für die gymnasiale Oberstufe, Bd. 11, herausgegeben von Rainer Nickel. Durch diese Ausgabe habe ich Autor und Sujet kennengelernt. Die märchenhaften und bukolischen Elemente des Apuleiustextes gefielen mir. Auch für meine Schülerinnen und Schüler war damals ein nordafrikanischer Autor mit seinem globalem Bildungsgang etwas Besonderes. 

Das Märchen wurde zu meiner Lieblingslektüre in den damaligen Profilkursen (Kl. 11); mit Apuleius kam ich nicht in Konflikt mit den Themen und Texten meiner älteren Kollegen, die in den Basiskursen ihre  klassischen Lektüren trieben. In Erinnerung geblieben ist mir die schöne, ruhig dahinfließende Sprache des Märchens mit langen Sätzen, mit einer immensen Fülle von bildhaften Adjektiven und einer reizvollen, jugendlichen Lesern gut erschließbaren Szenerie. Das war auch für mich eine völlig neue Thematik, nicht eine Lektüre von römischen Senatoren für römische Senatoren. Den damals verbreiteten Märchenparodien konnte ich wenig abgewinnen. Auch nicht dem Verständnis von Märchen als Instrumenten bürgerlicher Repression, die Heranwachsenden falsche Vorstellungen und Einstellungen vermittelten. Bruno Bettelheims Buch „Kinder brauchen Märchen“, München 1981, machte damals den Märchenkritikern und auch mir klar, dass die Wahrheit des Märchens „die Wahrheit unserer Fantasie, nicht die der normalen Kausalität“ sei.  Märchen bieten für Bettelheim „Erkenntnis des Lebens von innen her“. Kinder würden   intuitiv erfassen, dass diese Geschichten die wesentlichen Entwicklungsschritte zu einem unabhängigen Leben schildern. Das schien mir auch für das antike Märchen (fabula) von Amor und Psyche zu gelten. Dass die Helden des Apuleiustextes im 19. Jahrhundert außerordentlich beliebt waren und quasi zum kulturellen Berliner und Potsdamer Inventar gehörten, habe ich erst viel später bei mehreren Fortbildungsveranstaltungen und Museumsführungen von Peter Petersen/Kiel und Barbara Demandt/Berlin gelernt. Die Geschichte von Amor und Psyche vor allem in der bildenden Kunst weitergewirkt. Die wohl berühmteste Berliner Marmorgruppe  von Amor und Psyche (seit 1981 auf einer Briefmarke anzutreffen) befindet sich in der Alten Nationalgalerie und stammt von Reinhold Begas aus dem Jahr1857, seine Skulptur  Pan tröstet Psyche von 1858. Natürlich kann man dem Liebesgott und der wunderschönen Psyche auch im Park von Sanssouci mehrfach begegnen.

2018 erschienen – 35 Jahre nach Barié und Eyselein – gleich zwei Schulausgaben von Amor und Psyche. Die eine – lange erwartet – von Rudolf Henneböhl (in seinem Ovid Verlag in Bad Driburg; vgl. https://www.ovid-verlag.de/ovid/), von dem ich weiß, dass er sich schon seit Jahren – von  der allerersten Ausgabe der Reihe Latein kreativ an – 

mit diesem Projekt beschäftigte (vgl. Besprechung in LGBB Heft2, 2018,132–134). Er bezeichnet Amor und Psyche als einen genialen Stoff für die Oberstufenlektüre.  Natürlich erscheint seine Ausgabe in der für seine Texte und Kommentare spezifischen Weise mit vielen faszinierenden Abbildungen, produktiven Aufgaben und vielfältigen erprobten methodischen und inhaltlichen Anregungen zur Interpretation, in diesem speziellen Fall auch mit einer vertieften existenziellen Interpretation und psychologischen Deutung. 

Die andere Ausgabe von Matthias Kuen (Leiter eines Studienseminars Latein am Humanistischen Gymnasium Fridericianum in Erlangen) erschien im Klett Verlag, eine Ausgabe nicht primär für die Oberstufenlektüre, sondern für die Anfangslektüre ab Klasse 9 konzipiert (bei Latein ab Kl. 5). Dazu ist zu lesen: „Die vorliegende Textauswahl enthält viele direkte Reden, in denen die rhetorische Kunst des Autors zum Vorschein tritt – trotz sprachlicher Vereinfachung im Sinne einer flüssigen Lektüre. In den 20 Textkapiteln werden alle wichtigen Stilmittel erklärt und eingeübt. Auch den Übungen zur Systematisierung der Wortschatz- und Grammatikkenntnisse sind kurze Erklärungen vorangestellt. Bilder und Interpretationsaufgaben geben vielfältige Anregungen zu einer kreativen Auseinandersetzung mit dem Text.“ 

Rudolf Henneböhl vertritt ein anderes Konzept, er schreibt:  Bei Amor und Psyche ...  „handelt es sich um ein Mythenmärchen (eine Mischform von Märchen und Mythos) mit eingeschobenen burlesken Partien. Vom Thema her (ein tiefenpsychologisch und existenziell verdichteter Liebesroman) und vom sprachlichen Reichtum her (eine mit den großen Klassikern vergleichbare, sehr anschauliche und expressive Sprache) kommt der Roman nur für die Oberstufe in Frage und kann insbesondere im letzten Lehrjahr gelesen werden. Durch den großen Abwechslungsreichtum der Erzählung, ihren tiefenpsychologischen Gehalt und ihre jugendnahe Thematik, nicht zuletzt durch die großartige Sprachform bietet die Novelle vielfältige Interpretationsmöglichkeiten und Anregungen zu kreativer Vertiefung und Deutung. Auf diese Weise erfolgt noch einmal eine Steigerung und Intensivierung der bisherigen Oberstufenlektüre.“

Zu beiden Ausgaben gibt es sehr hilfreiche Kommentare, eher knapp (40 Seiten) derjenige von Kuen, kapitelweise strukturiert nach den Rubriken „Sprachliche und inhaltliche Vorerschließung“, „Inhaltszusammenfassung des Textes“, „Stilistik“, „Analyse und Interpretation“, „Lösungen“, „Illustration“, „Text“ und „Weitere Aufgaben“, regelmäßig mit Verweisen auf die beigefügte CD-ROM. Diese enthält alle lateinischen Texte mit zusätzlichen Übersetzungshilfen zur Differenzierung, Präsentationen und Textdokumente als methodische Alternativen der Textarbeit, Bilddateien der Illustrationen in hoher Auflösung zur genauen Betrachtung, Lösungen zu den Aufgaben zur Visualisierung im Klassenzimmer und Klassenarbeitsvorschläge (mit Lösungen). 

Das Anliegen, das Rudolf Henneböhl in seinem 296 Seiten umfassenden Kommentar verfolgt (er enthält zu den 100 opulenten Abbildungen des Textbandes weitere 80 Abbildungen von Künstlern der Antike bis in die jüngste Gegenwart), ist deutlich anspruchsvoller: „Neben der intensiven Durchdringung des Stoffes und der Auslotung der sprachlichen Gestaltung durch Apuleius besteht die Zielsetzung des Kommentars in der systematischen Begründung der existenziellen und der psychologischen Interpretation. ... Er reflektiert die archetypische und symbolische Tiefe des Mythenmärchens (in Erweiterung bereits vorhandener Deutungen von Seiten der Psychologie). Die Methode selbst und die konkrete Methodik existenzieller und (tiefen-)psychologischer Deutung lateinischer Texte werden intensiv erläutert und fachdidaktisch begründet. Grundlage dafür bildet in jedem Fall der sprachliche Gehalt des Textes, der nach den üblichen philologischen Interpretationsmethoden untersucht und didaktisch erschlossen wird.“ Rudolf  Henneböhls Grundthese lautet: „Wenn ein Text existenzielle oder psychologische Relevanz hat, kann er nur dann in seiner Bedeutung und Aussage hinreichend erfasst werden, wenn er auch existenziell und/oder psychologisch interpretiert wird. ... Existenziell ist eine Aussage vor allem dann, wenn sie nicht (nur) die individuelle Bedingtheit eines Einzelwesens beschreibt, sondern die condicio humana, die allen Menschen gemeinsame Bedingtheit des Daseins auf Erden. 'Psychologische Relevanz' liegt immer dann vor, wenn ein Text nicht nur 'extrinsisch' die Außenaspekte menschlichen Handelns und Empfindens beschreibt, sondern diese aus innerseelischen Ursachen ('intrinsisch') deutet“ (44). Henneböhl räumt ein, dass wir „aufgrund unserer Präferenz logisch-rationaler Zugangswege und der im Alltag notwendigen Außenorientierung solche tieferen, innerseelischen Bezüge leicht übersehen" und betont: „Meine eindeutige Erfahrung ist, dass gerade Schüler sehr sensibel und intelligent interpretieren können, wenn sie erst einmal verstanden haben, worum es da im Text 'eigentlich' geht – dass da ein Geschehen in symbolhafter Sprache abgebildet ist, das sich auch in ihrer eigenen Seele und in der eines jeden Menschen archetypisch als Entwicklungsweg vollzieht“ (51). Jener Mangel, den schon Paul Barié und Klaus Eyselein vor 35 Jahren festschrieben, besteht nach Rudolf Henneböhl auch weiterhin: „ein Defizit an fiktionalen Prosatexten im Lateinunterricht der gymnasialen Oberstufe ... Immer noch ... besteht die Gefahr, dass durch die traditionelle Überbetonung des machtpolitisch-historischen Komplexes wichtige Seiten der antiken Lebenswirklichkeit zu kurz kommen ...“ (8).

Aus beiden Kommentaren (und auch aus dem von  P. Barié und Kl. Eyselein von 1983) lässt sich unendlich viel philologisch, methodisch, psychologisch, interpretatorisch und kunsthistorisch lernen über den vom Umfang eigentlich recht überschaubaren Text, dessen deutsche Übersetzungen (Sie werden staunen, wie viele verschiedene Ausgaben Google zu bieten hat!) sich auch gut nutzen sowie vorlesen lassen, wenn sich die Ferien wieder einmal viel zu schnell nähern – und dass die Schülerinnen und Schüler wissen wollen, wie die fabula endet, steht außer Frage (wenn sie nicht schon selbst nachgelesen haben).

Rudolf Henneböhl bedauert, dass das Märchen von Amor und Psyche nur selten in der universitären Ausbildung vermittelt werde und bis heute ein in der philologischen Forschung eher vernachlässigter Stoff sei. Vielleicht haben diese zeitgleich erschienenen Ausgaben eine entsprechende Rückwirkung auf den Seminarbetrieb, die Fachdidaktik und vor allem auf den schulischen Unterricht. An Auswahlmöglichkeiten, Schwerpunktsetzungen, Vorlieben, Unterrichtsideen, didaktischen und methodischen Aufbereitungen, visueller Unterstützung und vielerlei anregenden Impulsen fehlt es nicht. Sollten Sie den Eindruck haben, Sie müssten jetzt auf halbe Stelle gehen, um Ihren Unterricht mit Amor und Psyche nach allen Regeln der philologischen, psychologischen, kunsthistorischen und didaktischen Kunst vorzubereiten, dann besitzen Sie jetzt jedenfalls das Material dazu. Sie können aber auch Apuleius einfach einmal ausprobieren; sollten Sie mit Blick auf Ihre Lerngruppe übervorsichtig sein, besorgen Sie sich den Band 4 des Lehrbuchs Comes (Oldenbourg Verlag, München 2011). Dort finden Sie als Übergangslektüre stark adaptiert und konzentriert auf den Handlungsverlauf in den Lektionen 93–100 die Geschichte von Amor und Psyche. Weitaus reizvoller sind aber die Ihnen hier empfohlenen Ausgaben des Meisterwerks des Apuleius.

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