— von Andreas Fritsch

Am 28. November 2019 wurde der langjährige Vorsitzende des Landesverbandes Berlin und Brandenburg im Deutschen Altphilologenverband (DAV) siebzig Jahre alt. Aus diesem Anlass fand zwei Tage später in Berlin-Dahlem eine Geburtstagsfeier statt, an der zahlreiche Verwandte, Freunde und ehemalige Kollegen des Jubilars teilnahmen. Der Unterzeichnete, über viele Jahre beruflich und freundschaftlich mit Josef Rabl verbunden, hielt auf dieser Feier eine Ansprache, in der er dessen Verdienste würdigte. Daraus seien im Folgenden einige „schulbiographische und DAV-bezogene“ Passagen zitiert, die – über die persönliche Beziehung hinaus – von allgemeinerem Interesse sein dürften.

Lieber Josef, 

es sei mir erlaubt, als langjähriger Berufskollege und Freund Dir heute in diesem Kreis auch einige Worte zu sagen. Zunächst aber danken wir Dir ganz herzlich für die Einladung zu dieser originellen Geburtstagsfeier, bei der sich das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet, wie es schon Horaz empfohlen hat.1 Insofern war der erste Teil im Botanischen Garten das Lehrreiche, das „Nützliche“, und jetzt folgt das Angenehme, was lateinisch iucunda heißt.2 In gewisser Hinsicht ist dieser Nachmittag und Abend fast exemplarisch für Dein Leben, auch für Dein Berufsleben. Du hast ja, solange ich Dich kenne, immer versucht, auch für Deine Schüler und Kollegen das Notwendige und weniger Angenehme erträglich, d.h. akzeptabel und, wenn möglich, sogar angenehm zu machen.

Die meisten von uns kennen Deinen Lebenslauf einigermaßen. Über Deine Rollen in der Familie, als Ehemann, als Vater und Großvater wissen die meisten der Anwesenden sicher viel mehr als ich. Auch die beruflichen Stationen dürften in groben Zügen allen bekannt sein. Trotzdem möchte ich heute einige Daten in Erinnerung rufen: Du bist also 1949 in Kötzting geboren, einer Stadt, die in Berlin vermutlich nur wenige kennen (obschon es in Berlin unweit des Römerwegs eine Straße dieses Namens gibt), die im Oberpfälzer Landkreis Cham in Ostbayern liegt, die seit 1986 als Luftkurort ist, seit 1995 Kneippkurort und seit 2005 als Kneippheilbad anerkannt ist und daher heute Bad Kötzting heißt. Vielleicht hat auch die gute Luft und das Wasser der Gegend zu Deinem milden und versöhnlichen Wesen beigetragen. Jedenfalls haben wir das als Kollegen in der Schule, an der Universität und im Altphilologenverband an Dir immer sehr geschätzt.

Nach der Schule und dem Studium warst Du von 1975 bis 1980 Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Religionspädagogik und Katechetik an der Universität Regensburg. Im Jahr 1981 wurdest Du dort mit einer Dissertation über „Religion im Kinderbuch: Analyse zeitgenössischer Kinderliteratur unter religionspädagogischem Aspekt“ promoviert (als erster Regensburger Lehramtstheologe) und gehörst damit in unserer Zeit zu den relativ wenigen Gymnasiallehrern, die den Doktortitel führen (übrigens ohne Plagiatsverdacht!). Auch das ist ein Kennzeichen Deines Berufsverständnisses, dass Du Dich bis heute mit der fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Literatur auseinandersetzt und darüber in den Fachzeitschriften berichtest, auch jetzt noch, fünf Jahre nach dem Eintritt in den sog. Ruhestand, zuletzt z.B. im „Forum Classicum“ 2/2019, S. 115–125. Die Zeitschrift „Latein und Griechisch in Berlin und Brandenburg“ lebt seit vielen Jahren von Deinem Können, Deinem Talent und Deinem Engagement. Du betreibst ein großartiges digitales Netzwerk zur bildungspolitischen und fachdidaktischen Information Deiner Kollegen. Dafür kann man Dir nicht genug danken. Von solchen Aktivitäten leben die so genannten toten Sprachen.

Nach dem Studium tratest Du den Schuldienst in Berlin an, zunächst an der Liebfrauenschule in Berlin-Charlottenburg, dann am Walther-Rathenau-Gymnasium, später warst Du viele Jahre Studienrat, Studiendirektor und Fachbereichsleiter am Gymnasium Wald-Oberschule. Ab 1987 warst Du nebenamtlich fünf Jahre lang Lehrbeauftragter an der Freien Universität und hast dort in schwieriger Zeit die Ausbildung der Lateinlehrer im Bereich der Fachdidaktik unterstützt. Auch das sei nicht vergessen.

Aber noch weit wirkungsvoller war Deine Tätigkeit als Erster Vorsitzender des Landesverbandes Berlin und Brandenburg im Deutschen Altphilologenverband von 1998 bis 2014, das waren 16 Jahre hervorragender Verbandsarbeit im Dienste der Fortbildung Deiner Kollegen, verbunden mit vielen anderen Tätigkeiten, die ich jetzt nicht alle aufzählen kann, erinnert sei nur an den Wettbewerb Lebendige Antike seit 1987. Unter anderem hast Du in diesen Jahren regelmäßig die Teilnahme von Berliner Schülern am internationalen Lateinwettbewerb, dem Certamen Ciceronianum Arpinas, in Italien organisiert.

Für Dein Engagement um das Projekt „Schulpartnerschaften“ und den Bundeswettbewerb Fremdsprachen (als Mitglied der Bundesjury von 2002 bis 2017) wurde Dir 2006 der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Insofern sind wir beide gewissermaßen „Ordensbrüder“. Von 2006 bis 2008 warst Du Mitglied der Jury des Projektes „Umwelt baut Brücken“, das unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten vom medienpädagogischen „Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren“ (IZOP-Institut) in Aachen und der „Deutschen Bundesstiftung Umwelt“ durchgeführt wird. Das Thema „Umwelt“ hat Dich also schon vor über zehn Jahren bewegt. 

Das sind freilich nur einige Stichpunkte oder Stationen Deines Berufslebens. Unvergessen sind natürlich auch Deine prächtigen Jahrbücher (insgesamt 12 Bände neben der Festschrift von 2010), die Du für die Waldschule herausgegeben hast. Sie werden bei vielen Absolventen lebenslang die Erinnerung an ihre Schulzeit wachhalten.

Lieber Josef, vorgestern hast Du das siebzigste Lebensjahr vollendet. Wenn man der von Seneca erwähnten Theorie folgt, dass alle sieben Jahre ein neuer Lebensabschnitt beginnt,3 und wenn man das menschliche Leben mit einem Jahr vergleicht, das 12 Monate hat, dann hast Du bis zum 84. Lebensjahr mindestes noch den November und Dezember vor Dir. Ein Freund von mir zitierte vor kurzem den witzigen Satz: „Wer alt werden will, sollte früh damit anfangen.“

Aber mit der Lebenserwartung ist das so eine Sache. Du bist jetzt siebzig. Aber das Alte Testament kannte noch ganz andere Lebenszeiten. Die Lebenszeit des Urvaters Adam soll nach Genesis 5,5 insgesamt 930 Jahre betragen haben; Noach zeugte im Alter von 500 Jahren Sem, Ham und Jafet (Gen. 5,32) und wurde insgesamt 950 Jahre alt (9,29). Und Methusalem (Metuschelach) soll sogar 969 Jahre alt geworden sein (5,27), er erreichte damit wohl das höchste je behauptete Alter. Wie immer auch die Bibel- und Sprachwissenschaftler diese hohen Zahlen erklären mögen – keiner von uns wird ein solches Alter anstreben wollen, und wir wagen es auch nicht, Dir ein solches Alter zu wünschen. Aber was mit den erwähnten Zahlenbeispielen ausgedrückt sei: Wir wünschen Dir in jedem Fall ein hohes, gesundes und frohes Alter!

Aus der „Fundgrube für Verlegenheitsdichter“ (von Günter Nehm) entnehme ich folgende Verse:

Es fragt der Mensch sich dann und wann:
Wann fängt das Greisenalter an?
Die Antwort lautet: Das verschiebt sich,
denn mancher hat mit Fünfundsiebzig

bei bester Kondition gedacht sich:
Die Grenze liegt bei Fünfundachtzig,
was ihn zehn Jahre später wundert,
denn jetzt denkt er schon mehr an Hundert.

Sehr klar zeigt sich auf diese Weise:
Der Mensch ist auf dem Weg zum Greise,
und keiner ändert was daran,
tagtäglich, schon von Jugend an.

Glücklicherweise wissen wir alle nicht, wann unser letztes Stündlein schlagen wird. Wir werden nicht nach Altersklassen abberufen, wie Seneca sagt.4 Auf einer Sonnenuhr stand der Satz: Mors certa, hora incerta. Richtig übersetzt heißt das: Der Tod ist sicher, die Stunde aber unsicher. Ein Narr oder Witzbold hat das mal anders übersetzt mit: Todsicher geht diese Uhr falsch.

Lieber Josef, wir wünschen Dir und Deiner Familie heute Glück und Segen für das kommende Jahrzehnt. Heute, wo das religiöse und speziell das christliche Element mehr und mehr aus dem öffentlichen Leben verdrängt wird, wo man selbst Weihnachten feiert, ohne die Geburt Jesu auch nur zu erwähnen, klingt es fast altmodisch zu sagen: An Gottes Segen ist alles gelegen. Aber wir sagen es heute von ganzem Herzen und wollen es auch im Kanon singen: Viel Glück und viel Segen auf all Deinen Wegen! Gesundheit und Frohsinn sei auch mit dabei!

rabl 70

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