— von Josef Rabl

Die Anfänge von Schülerwettbewerben in Deutschland

133 Schüler nahmen am ersten „Schülerwettbewerb Fremdsprachen“ teil, das war im Jahr 1979. Dieser Wettbewerb entwickelte sich in 40 Jahren weiter zum heutigen traditionsreichen Großprojekt Bundeswettbewerb Fremdsprachen. Er besteht aus mehreren Teilwettbewerben auf Länder- und Bundesebene: derzeit gibt es die Kategorien SOLO (Klasse 8 bis 10), SOLO PLUS (ab Klasse 10), TEAM (Gruppen aus den Jahrgangsstufen 6 bis 10) und TEAM BERUF (Auszubildende in der beruflichen Erstausbildung und Schüler beruflicher Schulen). Mittlerweile machen beim BWFS jedes Jahr mehr als 15.000 Jugendliche aus Deutschland und von deutschen Auslandsschulen mit.

Im SOLO-Bereich warten auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Aufgaben, die so nicht in der Schule vorkommen. Dabei sind viele Fertigkeiten gefragt: nicht nur Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben, sondern auch Kreativität – zum Beispiel beim Dreh eines Videos in der ersten Wettbewerbsrunde. Im Bereich SOLO für die Klassen 8 bis 10 beweisen die jüngeren Schülerinnen und Schüler ihre Fähigkeiten in einer von acht Fremdsprachen. In der Kategorie Solo sind Englisch, Französisch, Dänisch, Italienisch, Latein, Russisch, Spanisch und Altgriechisch zugelassen, von denen eine auszuwählen ist. Die Besten aus der jüngeren Altersgruppe fahren jedes Jahr zum Sprachenturnier (im September 2019 in Papenburg), wo es viele Preise und tolle neue Erfahrungen zu gewinnen gibt. Im Bereich SOLO PLUS für Schüler ab Klasse 10 kommt eine zweite Fremdsprache dazu. Die ersten Preisträgerinnen und Preisträger aus SOLO PLUS werden in die Förderung der Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen.

Der Bereich Team-Schule wendet sich an Schülerinnen und Schüler der Klassen 6 bis 10, bei denen neben den Fremdsprachen Projektarbeit und Teamarbeit im Vordergrund stehen. Sie reichen in Zweier- bis Zehnerteams Video- oder Audiobeiträge ein. Die Teams mit den besten Beiträgen qualifizieren sich für die Teilnahme am Sprachenfest (im Juni 2019 in Dachau), bei dem sie ihre in den Ländern preisgekrönten Beiträge auf der Bühne der Öffentlichkeit vorstellen.

Im TEAM BERUF können Schülerinnen und Schüler beruflicher Schulen und Auszubildende teilnehmen, die in Teams von 2 bis 8 Personen ebenfalls fremdsprachliche Video- oder Audiobeiträge einreichen. Welches Thema ein Team behandelt, ist freigestellt, es muss jedoch einen beruflichen Bezug haben. Die Teams mit den besten Beiträgen werden zur Teilnahme am Azubiturnier eingeladen, bei dem sie in vor Ort neu zusammengestellten Teams kleine Bühnenstücke erarbeiten und aufführen (www.bundeswettbewerb-fremdsprachen.de; Aufruf am 10.02.2019).

40 Jahre Bundeswettbewerb Fremdsprachen 1979-2019

Seit der Gründung vor 40 Jahren ist der BWFS einer der bedeutendsten Schülerwettbewerbe Deutschlands und fördert junge Leute, die Spaß an fremden Sprachen und Kulturen haben. Er hat sich immer wieder verändert, hat neue Aufgabenformate entwickelt und sich den Erfordernissen der Gegenwart angepasst. Ausgetragen wird der Wettbewerb vom Zentrum für Begabungsförderung „Bildung & Begabung“ in Bonn. Auf der Webseite www.Bundeswettbewerb-Fremdsprachen ist Anfang Februar zu lesen:

Noch am Wettbewerbstag, dem 24. Januar 2019, haben wir über 3000 zum SOLO (i.e. ein Teilwettbewerb des BWFS für Schülerinnen und Schüler der Sek. I) angemeldete Schülerinnen und Schüler nach ihrer Meinung zum Wettbewerb und den Wettbewerbsaufgaben befragt. ... Die Resonanz war riesig! Die Ergebnisse werden wir im Detail auswerten, aber so viel können wir heute schon sagen:

  • 80% haben mit einer modernen Sprache, 20% mit Latein oder Altgriechisch teilgenommen
  • 89% haben von ihren Lehrern vom Wettbewerb erfahren, einige haben schon zum 2. Mal mitgemacht
  • Das kreative Schreiben ist (wie immer) die beliebteste Aufgabe bei den modernen Sprachen, in Latein und Altgriechisch steht die Übersetzung vorn.

Der älteste Schülerwettbewerb Deutschlands

Er entstand 1953 in Frankreich als Projekt der Europäischen Jugendkampagne, dort begann er zunächst im Rahmen des sog. Europäischen Schultags als Aufsatzwettbewerb für ältere Schüler zu kulturellen Aspekten der europäischen Integration und begleitet die europäische Integration von Anfang an. Jedes Jahr bietet der Europäische Wettbewerb zwölf Aufgaben zu aktuellen europäischen Themen an – zugeschnitten auf vier Altersgruppen. Er ist offen für alle Fächer, z.B. Kunst und Musik, Gesellschaftswissenschaften und Ethik, Deutsch und Fremdsprachen und bringt auf diese Weise Europa ins Klassenzimmer, er fördert die Kreativität und Europakompetenz von Kindern und Jugendlichen. In seinem 65. Jahr 2018 nahmen am Europäischen Wettbewerb 85.600 Schülerinnen und Schüler teil. Vor dem Jahr 2010 lag die Teilnahme z.T. noch bei über 200.000; die Halbierung der Teilnehmerzahl hängt wohl mit dem Wechsel zu G 8 zusammen. Er gilt als ältester Schülerwettbewerb Deutschlands, sogar als einer der ältesten Europas.

Mit Blick auf mathematisch-naturwissenschaftliche Wettbewerbe vermerken Kathrin Racherbäumer und Sandra Boltz (2012, 121) unter Hinweis auf Wolfgang Engel (2011), dass erste Leistungs­wettbewerbe im schulischen Raum bereits im 18. Jahrhundert stattgefunden haben: "In Deutschland wurden erstmals 1774 an dem von Johann Bernhard Basedow gegründeten 'Philanthropinum' in Dessau mathematische Wettbewerbe für Schüler durchgeführt". In Frankreich und England habe es im 18. Jahrhundert bereits internationale mathematische Wettbewerbe gegeben. "Leistungskonkurrenz in Verbindung mit Anerkennung ist das Grundmodell dieser Schülerwettbewerbe" (a.a.O.). Nach 1945 kommt es dann in Deutschland zu einem massiven Anstieg von Wettbewerben (zu Belegen aus den mathematischen und naturwissenschaftlichen Anwendungs­fächern vgl. Racherbäumer/Boltz 2012, 122; Engel 2011).

Das Vorbild für Jugend forscht kam aus den USA

Jugend forscht (schon der Name besagt, dass sich dieser Wettbewerb dem experimentierenden, forschenden Lernen verschrieben hat) ist fraglos der bekannteste Schüler- und Jugendwettbewerb in Deutschland. Initiiert wurde er von Stern-Chefredakteur Henri Nannen. Im Dezember 1965 fiel der Startschuss für diesen Wettbewerb, der sich schnell zum größten europäischen Jugendwettbewerb für Naturwissenschaften und Technik entwickeln und 2015 sein 50. Jubiläum feiern konnte. Im ersten Jahr des Wettbewerbs (1966) wurden 244 Anmeldungen gezählt (Jugend forscht und Schüler experimentieren zusammen). Im Rekordjahr 2014 waren es mehr als 12.000, für 2019 verzeichnet man erneut über 12.000 Anmeldungen und die dritthöchsten Anmeldezahlen in der Jugend forscht-Geschichte mit Zuwächsen in neun Bundesländern. Von diesen Teilnehmern (mit über 5.000 Projekten) erreichen typischerweise etwa 200 Teilnehmer (ca. 100 Projekte) als Landessieger den Bundeswettbewerb, wo dann 10 Projekte als Bundessieger ausgezeichnet werden. Die Teilnehmer bearbeiten Projekte zu von ihnen selbst gewählten Fragen aus dem MINT-Bereich und sie präsentieren der Wettbewerbsjury ihre Ergebnisse durch eine schriftliche Arbeit sowie beim eigentlichen Wettbewerb durch einen von ihnen gestalteten Stand sowie einem mündlichen Vortrag mit anschließender Befragung. „Sputnik-Schock“ und „Bildungsnotstand“ waren die zentralen Begriffe der Kritik am deutschen Bildungssystem in den 60er Jahren. Henri Nannen startete seine Initiative, um den qualifizierten Nachwuchs an jungen Wissen­schaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Bundesrepublik Deutschland zu fördern. Zum Motto wurde „Wir suchen die Forscher von morgen!“. Das Vorbild für Jugend forscht kam aus den USA. In den 50er Jahren wurden dort „Science Fairs“ populär, nachdem das neue Medium Fernsehen ein verstärktes Interesse der Öffentlichkeit an Wissenschaft und Technik geweckt hatte: Bei den im Stil von Messen organisierten Wettbewerben stellten junge Menschen ihre Forschungsprojekte und Erfindungen neben einer fachkundigen Jury auch der breiten Öffentlichkeit vor.


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Wettbewerbe haben eine fantastische Erfolgsgeschichte

Drei Wettbewerbe, drei attraktive Orte für Gleichgesinnte, drei ganz unterschiedliche Wege und Felder, Höchstleistungen abzurufen. An diesen Beispielen ist abzulesen: Wettbewerbe haben eine fantastische Erfolgsgeschichte und dies seit Jahrzehnten (Tacke 2007, 192), sie lassen sich aus der Bildungslandschaft kaum mehr wegdenken und gelten mittlerweile auch als sichtbarer Ausdruck einer anregungsreichen Lernkultur (Fauser/Messner 2007, 152). Schülerwettbewerbe werden entweder bundesweit oder für ein bestimmtes Bundesland ausgeschrieben, es gibt auch regionale Wettbewerbe oder das Wettbewerbsformat für eine einzelne Schule oder einzelne Jahrgänge, ebenso internationale Ausschreibungen, häufig "Olympiaden" genannt. Kultusministerien registrieren aktuell die Ausschreibung von 150 bis 170 Wettbewerben und mehr pro Jahr; Hamburg empfahl 1988 26 Wettbewerbe, 2006 über 60 und 2018 79 Wettbewerbe (Hamburg 2018). Eine monatsweise Auflistung der aktuellen Wettbewerbe (und zurück bis 2007) bietet der Deutsche Bildungsserver.


Links zu den Wettbewerbsseiten in den einzelnen Bundesländern

Empfehlung: Wettbewerbe für Schülerinnen und Schüler 2018/2019. Alle Jahrgangsstufen und Schulformen, Herausgegeben von der Behörde für Schule und Berufsbildung, Hamburg August 2018, Redaktion Thomas Bressau und Birgit Mohr, 96 Seiten, Downloadlink: https://www.hamburg.de/wettbewerbe/69040/start/


Qualitätskriterien für Schülerwettbewerbe seit 2009

Beim Blick auf die Webseiten der Bildungsserver der Länder wird man als Lehrer begeistert sein von den vielen reizvollen Angeboten. Auf den Seiten der Bildungsserver ist freilich schon eine Auswahl getroffen ist, aber in den Lehrerzimmern stapeln sich die Angebote an die einzelnen Fachbereiche - und bis zum Eindruck einer regelrechten Wettbewerbsflut ist es dann nicht weit. Richtig ist wohl, dass Wettbewerbe als bevorzugtes Mittel der Wirtschaft und anderer sich berufenen fühlender Institutionen gelten, in der Schule Fuß zu fassen und den Bildungssektor für PR zu instrumentalisieren (Fauser/Messner 2007,9; 21; 195). Solche Kritik hat zu einem gemeinsamen Papier geführt, das längst alle Bundesländer ihren Lehrkräften auf den einschlägigen Webseiten zur Kenntnis geben. Zur "Förderung pädagogischer Aspekte von Schülerwettbewerben" sowie zur Werbung "für die Beteiligung an pädagogisch sinnvollen und das Lernen fördernden Wettbewerben" hatten sich einige Organisatoren zur Arbeitsgemeinschaft bundesweiter Schülerwettbewerbe zusammengeschlossen. Dem Ruf nach einem Gütesiegel für Wettbewerbe folgten 2009 die Qualitäts­kriterien für Schülerwettbewerbe der KMK:

Der Wettbewerb unterstützt den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule. Er unterstützt die Schülerinnen und Schüler bei der Entfaltung und Weiterentwicklung ihrer individuellen Begabungen und Interessen sowie ihrer Lern- und Leistungsbereitschaft. Er fördert grundlegende fachliche, methodische, soziale und personale Kompetenzen. Er knüpft an die unterrichtliche Arbeit an und erweitert diese spezifisch. Der Wettbewerb regt innovative Lern- und Arbeitsformen an oder erfordert die Anwendung angemessener Methoden der Problemlösung auf fachlich hohem Niveau. Bei Wettbewerben, die für Schülerinnen und Schüler aus dem Primarbereich und dem Sekundarbereich I geöffnet sind, kommt dem Aspekt der Motivation eine besondere Bedeutung zu. Der Wettbewerb ist so angelegt, dass er den Austausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern fördert. Der Wettbewerb macht die produktive Wirkung einer Konkurrenzsituation erfahrbar und vermittelt, dass die Teilnahme an sich lohnt, unabhängig vom persönlichen Abschneiden. Der Wettbewerb ist geeignet, die Schülerentwicklung zu fördern, indem er die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrkräfte zu einem Engagement auch für ihre Schule anspornt und in der Schule eine Kultur der Anerkennung dieses Einsatzes und der dabei erbrachten Leistungen anregt. Der Wettbewerb trägt durch seine Angebote zur weiteren Professionalisierung der betreuenden Lehrkräfte bei und stärkt die teilnehmende Schule in ihrer Profilbildung und ihrem Auftreten in der Öffentlichkeit. Der Wettbewerb ist geeignet, länderübergreifend Qualitätsentwicklungsprozesse in Schule und Didaktik beispielgebend anzuregen. (KMK 2009).

Wettbewerbe in den Alten Sprachen

Wettbewerbe können den einzelnen schulischen Fächern und Aufgabenfelder zugeordnet werden (KMK 2009,4-6). Der Bundeswettbewerb Fremdsprachen als bedeutendster Vertreter des sprachlich-literarisch-künstlerischen Aufgabenfeldes in Deutschland, wurde 1979 - wie einleitend erwähnt - vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gegründet; er wird von der Initiative Bildung und Begabung ausgerichtet. Latein und Alt-Griechisch sind ebenso wie die modernen Schulfremdsprachen als Wettbewerbssprachen wählbar. Er ist übrigens die einzige bundesweite Konkurrenz in den Alten Sprachen. Der BWFS hat sich anerkanntermaßen um die Attraktivität der Alten Sprachen verdient gemacht hat, etwa durch die comicartigen Illustrationen mit hoher Motivationskraft von Hans-Herbert Römer, durch die Gewichtung des lateinischen Lesens, durch die Stärkung des deutsch-lateinischen Übersetzens in einzelnen Aufgabenteilen, durch Aufgaben zu Sprachvergleich und Stilmitteln, durch kreativ-produktive Formate im Umgang mit Texten, durch die Einbindung moderner Medien, durch Präsentationsformen, wie sie in den modernen Fremdsprachen üblich sind, und durch produktive Formen der Teamarbeit. Ich möchte behaupten, dass der Bundeswettbewerb Fremdsprachen mit seinen Aufgabenformaten in den Alten Sprachen quasi das Leitmedium für die jüngeren Wettbewerbe in Latein und Altgriechisch darstellt, dessen Einfluss kaum überschätzt werden kann.

Als namhaftester internationaler Wettbewerb für Latein gilt das Certamen Ciceroniamum Arpinas, eine seit 1980 in Ciceros Geburtsort Arpino ausgetragene beeindruckende Veranstaltung mit zeitweise über 500 Einzelteilnehmern europaweit. Die Teilnehmer übersetzen einen längeren Cicerotext (etwa 200 Wörter) in ihre jeweilige Muttersprache und kommentieren den Textabschnitt unter historischen, literarischen, stilistischen usw. Aspekten bei einer Dauer von fünf Stunden. Die Prüfungsleistung ist vergleichbar mit einer schriftlichen Abiturprüfung.

Die Gründung von Wettbewerben in den Alten Sprachen erfolgte in Deutschland in zwei Wellen in den 1980er und 1990er Jahren: Landeswettbewerb Alte Sprachen. Baden-Württemberg (1981), Certamen Carolinum. NRW (1985), Certamen Rheno-Palatinum (1985), Wettbewerb Alte Sprachen. Bayern (1986), Lebendige Antike. Berlin und Brandenburg (1987), Certamen Cimbricum. Schleswig-Holstein (1990), Rerum Antiquarum Certamen. Niedersachsen, Bremen, Hamburg (1992). Nach der Wende folgten in den neuen Bundesländern: Certamen Franckianum (1995), Certamen Balticum (1998), Certamen Thuringiae (2003). Sie sind meist getragen von den einzelnen Landesverbänden des DAV, aber auch von Kultusministerien, von Stiftungen oder einzelnen Lehrkräften (Rabl 2001, passim. Kipf/Schauer 2011).


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Für Österreich ist als namhafter Wettbewerb die Bundesolympiade Latein und Griechisch zu nennen. Diese wurde als Gegengewicht zu den in den Naturwissenschaften schon lange etablierten Olympiaden als ein Übersetzerwettbewerb für Schülerinnen und Schüler im Jahre 1991 ins Leben gerufen , "deren Begabung auf dem Gebiet der klassischen Sprachen Latein und Griechisch liegt". In den Ländern findet im Vorfeld das „Certamen Latinum Graecumque“ statt, der landesweite Übersetzungswettbewerb aus Latein und Griechisch. Der Wettbewerb wurde - etwa in Kärnten vom Bundesgymnasium Tanzenberg am 27.2.2019 - in vier Kategorien durchgeführt: Griechisch, Latein Langform und Latein Kurzform 7. und 8. Klasse. Gefordert war nicht nur die Übersetzung, sondern auch die Interpretation der Texte von Aesop, Columbus und Sueton. Zu erwähnen ist ferner der AHS-Fremdsprachen-Landeswettbewerb Tirol (abwechselnd im Bundesland Tirol und in Südtirol, seit 1992). In der Schweiz fand der kantonale Wettbewerb Certamen Translatorium 2018 zum zehnten Mal statt; teilgenommen haben Lateinerinnen und Lateiner aus den Kantonen St. Gallen, Appenzell, Graubünden, Thurgau und Wallis. Zum vierten Mal führt der Schweizerische Altphilologenverband 2019 das gesamtschweizerische CERTAMEN HELVETICUM - Ἀγὼν Ἑλβέτιος durch.


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Neben dem Certamen Ciceronianum Arpinas werden in Italien das Certamen Ovidianum in Sulmona und das Certamen Horatianum in Venosa veranstaltet und auch von Teilnehmern aus Deutschland besucht. Daneben gibt es im ganzen Land eine Fülle von altsprachlichen Übersetzungswettbewerben - häufig mit einer Spezialisierung auf einzelne Autoren, etwa Certamen Vergilianum, Certamen Lucretianum, Certamen Vitruvianum, Certamen Latinum Syracusanum, Certamen Athesinum, Certamen Ennianum, Certamen Taciteum, Certamen Senecanum, Certamen Peloritanum, Certamen Classicum Florentinum, Certamen Classicum Vibonense, Certamen Viterbiense della Tuscia und andere mehr.

(Quelle: http://www.miur.gov.it/competizioni-e-concorsi-per-studenti; Aufruf am 10.02.2019)


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Der Wettbewerb Aus der Welt der Griechen für die Jg. 6 und 7 in NRW, vom Neuen Gymnasium Bochum organisiert, zielt darauf, Schülerinnen und Schüler für die Wahl des Griechischen in der Jahrgangsstufe 8 zu gewinnen; Gleiches gilt für das Certamen Bavaricum, veranstaltet vom DAV. Seit zehn Jahren gibt es den vom AK Humanistisches Gymnasium gestifteten Pegalogos Preis für Schülerinnen und Schüler Bayerischer humanistischer Gymnasien. Für die Förderung von Altgriechisch als Unterrichtsfach schreibt die Griechische Botschaft in Berlin erstmals 2019 den Wettbewerb Dein Ticket mit Altgriechisch für Schülerinnen und Schüler altsprachlicher Gymnasien in den neuen Bundesländern aus (vgl. LGBB 4-2018. 260-262). Ein internationaler Alt˗Griechisch˗Wettbewerb Exploring the Ancient Greek Language and Culture für Schüler/innen der Oberstufe wurde von 2006 bis 2015 vom griechischen Ministerium für Erziehung in Athen veranstaltet.


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Leistungssteigerung durch certamina

Dass gerade im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts eine Hochzeit für Schülerwettbewerbe beginnt, mag ganz viele Ursachen haben, die gewichtigste ist die begabungs- und leistungsfördernde Wirkung von Wettbewerben. Das ist nun keine Erkenntnis jener Jahrzehnte, sondern pädagogisches Basiswissen. Für die Möglichkeit der Leistungssteigerung durch Wettbewerbssituationen plädiert schon Quintilian mit der Bevorzugung des agonalen Prinzips in seiner Pädagogik (Inst. orat. 1,2,22-25). Im Wettbewerb, aemulatio, sieht er die stärkste Lernmotivation, viel mehr noch als die pädagogischen Instanzen Lehrer, Pädagogen und Eltern durch Ermahnungen und Versprechungen erreichen können (Ax, 2010. 5-6; Schmitz, 1988). Er plädierte aus diesen Gründen für den Unterricht in Kleingruppen im Gegensatz zum Einzelunterricht bei Privatlehrern, was zu seiner Zeit in Rom üblich war (vgl. Inst. orat. 2,18f; 2,29).

Einem besonderen Glücksfall verdanken wir einen Einblick in ein kaiserzeitliches Certamen im Rom des ersten Jahrhunderts. Viele informative Details liefert ein 1871 entdecktes Grabmonument, das ursprünglich mit seiner Frontseite an der Via Salaria aufgestellt und später in die Porta Salaria eingemauert war. Der Fund erregte schon damals großes Aufsehen; eine Kopie das Grabmonuments befindet sich heute an der Piazza Fiume, das Original wird im Ausstellungskomplex der Musei Capitolini alla Centrale Montemartini an der Via Ostiense gezeigt. Berliner Kollegen erinnern sich noch an den Vortrag an der HUB von Kathleen M. Coleman, James Loeb Professor of the Classics, Harvard University, während ihrer Zeit als Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin 2014 über Kaiser Domitian und die Literatur am Beispiel des jungen Q. Sulpicius Maximus.


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Zur gleichen Zeit als Quintilian sein Lehrbuch Institutio oratoria niederschrieb (zwischen 92 und 95), trat beim Capitolinischen Agon (certamen Capitolinum) der elfjährige Quintus Sulpicius Maximus gegen eine beachtliche Konkurrenz von anderen Dichtern an und errang einen Achtungserfolg (cum honore discessit). Dieses war wohl das wichtigste Ereignis im Leben des hochambitionierten Jungen, den im Alter von 11 Jahren, 5 Monaten und 12 Tagen der Tod ereilt hatte. In dem von seinen Eltern errichteten Grabmal erfahren wir von seiner "Teilnahme an einem Wettbewerb in griechischer Poesie, bei dem er gegen eine Konkurrenz von 52 anderen Dichtern antrat. Gemeint ist damit der sog. Capitolinische Agon (agon Capitolinis, certamen Capitolinum) des Jahres 94 n. Chr. (tertio lustro). Dieser war im Jahr 86 n. Chr. von dem Kaiser Domitian nach dem Vorbild und in Konkurrenz zu den Olympischen Spielen gestiftet worden (Suet. Dom. 4,4; Cens. 18,15). Er sollte alle vier Jahre im Frühsommer stattfinden und umfasste gymnische (athletische), hippische (Pferderennen) und musische Wettkämpfe, unter denen der Dichterwettstreit in griechischer wie lateinischer Sprache einen besonderen Platz einnahm. Den Vorsitz in der Preisjury führte der Kaiser selbst" (Kolb/Fugmann, 2008, 220f).

Sulpicius Maximus besaß das römische Bürgerrecht und ist auf dem Grabmal deshalb in der Toga praetexta dargestellt, dem mit einem Purpurstreifen gesäumten Kleidungsstück. Beide Eltern waren offensichtlich Freigelassene der Gens Sulpicia bzw. Gens Licinia.

"Im Wettbewerb um den Sieg in der griechischen Dichtkunst wurden die Teilnehmer vor die Aufgabe gestellt, aus dem Stegreif über ein von den Preisrichtern gestelltes Thema ein Gedicht (carmen) zu verfassen. Dabei galt es vor allem die Vertrautheit mit der ganzen griechischen, aber auch lateinischen Literatur seit Homer unter Beweis zu stellen. Bevor die Teilnehmer einzeln vor die Jury gerufen wurden, hatten sie jedoch, wie die Pergamentrolle in der Hand des Sulpicius vermuten lässt, eine gewisse Zeitspanne, um sich Notizen für den Vortrag zu machen. Die Kunst der Improvisation genoss in der Antike höchstes Ansehen und wurde daher in der Rhetorenschule besonders eingeübt (Quint. inst. 10,7). Eine eigene Form bildete hierbei die sogenannte Ethopoiie (sermocinatio), bei welcher der Schüler in die Rolle einer geschichtlichen oder mythologischen Figur in einer bestimmten Situation zu schlüpfen hatte" (Kolb/Fugmann 221). Die konkrete Aufgabenstellung des Certamen lässt sich ziemlich genau benennen: "Welcher Worte bediente sich Zeus, als er den Helios tadelte, weil er dem Phaeton seinen Sonnenwagen überließ?". Der Text des Stegreifgedichts unseres Wettbewerbsteilnehmers ist erhalten und heutige "Gutachter" stellen fest, es "bezeugt der erhaltene Text des Stegreifgedichts seine Kenntnis der Vorlagen (Ovid) sowie eine sichere Beherrschung des epischen Stils, insbesondere der Sprache Homers. Auch die Disposition und Präsentation des Stoffes ist keineswegs ungeschickt. Insgesamt zeigt sich der jugendliche Poet im Besitz all der virtuosen Fähigkeiten, wie sie die Rhetorenschule und das Studium der Literatur lehrten" (Kolb/Fugmann, 2008, 222).

Kolb/Fugmann verweisen noch auf einen weiteren jungen Dichter, der im Alter von dreizehn Jahren sogar den Sieg in der lateinischen Dichtung erringen konnte: 106 n. Chr. gelang das Lucius Valerius Pudens aus dem an der Adria gelegenen Ort Histonium.

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Abbildung (Datei img 0774): Bildunterschrift: CIL IX 2860

Übrigens: das Grabmonument für Quintus Sulpicius Maximus gibt nicht nur einen detaillierten Einblick in die Praxis des Capitolinischen Agon, es stellt auch ein interessantes Dokument für den gesellschaftlichen Aufstieg aus der Schicht der Freigelassenen dar, denn dank seiner Begabung und seines Bildungswillens fand er "Aufnahme in den Kreis der zeitgenössischen Elite" (Kolb/Fugmann, 2008, 222).

Leistungswettbewerb vs. Motivationswettbewerb

Heutige Wettbewerbe sollen neuerdings einer Fülle von Aufgaben gerecht werden, ja sie werden überfrachtet mit Erwartungen und vielfältigen Effekten: So dienen sie zur Etablierung projektdidaktischer Arbeitsformen und des wissenschaftspropädeutischen Lernens, zählen als Beitrag zur Modernisierung und Profilbildung der Schule, als außerschulische Unterstützungsangebote für die Schulentwicklung, als Imagefaktor, sie taugen als zusätzliche pädagogische Betreuungsangebote, gelten als besondere Form der Lehrerbildung und sie werden als Möglichkeit zur Weckung, Findung und Förderung besonders interessierter, befähigter und begabter Schülerinnen und Schüler verstanden. Es mag dann schon zutreffen, dass Wettbewerbe, die solche individuellen Ziele erreichen, sich als Lernumgebungen mit jenen Merkmalen auffassen lassen, die den Lernmöglichkeiten Hochbegabter besonders entgegenkommen (Wagner/Neber, in: Fauser/Messner 2007,79). Deshalb sind Leistungswettbewerbe meist mehrstufig, stellen eine intellektuelle Herausforderung für einen bestimmten Adressatenkreis dar und verleihen Anerkennung in Form attraktiver Preise, z.B. Stipendien, Studienreisen, Praktika. Es ist erwiesen, dass Leistungswettbewerbe zum Erkennen eigener Begabung und zur Festigung von Studieninteressen beitragen sowie prognostisch bedeutsam für spätere Spitzenleistungen in Studium und Beruf sind (Wagner/Neber, in: Fauser/Messner 2007, 73). Bei den Landeswettbewerben Alte Sprachen in den sieben Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Studienstiftung des Deutschen Volkes, d.h. die Aufgabenformate in diesen Länderwettbewerbe entsprechen deren hohen Anforderungen und die Preisträger werden in das Stipendienprogramm dieser Einrichtung aufgenommen, ohne das sonst übliche Bewerbungs- und Testverfahren durchlaufen zu müssen.

Annähernd gleich groß ist die Zahl von Wettbewerben in den Alten Sprachen, die andere Akzente setzen. Bei diesen sog. Motivationswettbewerben steht der Einsatz der Teilnehmer im Vordergrund, sie zielen oft auf jüngere Teilnehmer in Primarstufe und Sek I (KMK 2009), so etwa der Latein-Vorlesewettbewerb Recitare Latine (seit 2018), veranstaltet vom geisteswissenschaftlichen Schülerlabor der Universität Göttingen „Y-LAB“. Der Landeswettbewerb für Latein IV in Rheinland-Pfalz (seit 2015) hat Schülerinnen und Schüler im Blick, die Latein als neu einsetzende Fremdsprache in der Oberstufe lernen. Die Veranstalter beabsichtigen, Impulse für eine Begabungsförderung abseits des regulären Lehrplans zu geben und eine förderliche Wirkung auf das Klassenklima zu erzielen. Beim Wettbewerb Lebendige Antike in Berlin & Brandenburg gibt es mittlerweile eine Aufgabenteilung für Teilnehmer in Sek I und in Sek II.

Schulwettbewerbe

Schulwettbewerbe und Schülerwettbewerbe sind zwei ganz verschiedene Dinge. Beide machen sich das Prinzip Wettbewerb zu Nutze und sollen offensichtlich einen speziellen Mangel beheben: beim Schulwettbewerb geht es um nichts weniger als das große Ziel, die Qualität von Schule und Unterricht in Deutschland nachhaltig zu verbessern. "In Schulwettbewerben zeigen Kinder, Jugendliche, Lehrkräfte und ganze Schulen, was sie können" lautet die Zielsetzung dieser neuen Gattung von Wettbewerben in und für Schulen.

Der Landesverband Berlin & Brandenburg im DAV war 2002 seiner Zeit offensichtlich weit voraus, als er einen solchen Schulwettbewerb ausschrieb. Zu jener Zeit arbeiteten viele Schulen an ihrer Selbstdarstellung in Form einer Schulhomepage. (vgl. Rabl, Josef: DAV-Wettbewerb 2002 um die beste Webseite entschieden, in: LGBB 46, 4/2002,98-105). Den Wettbewerbsorganisatoren war daran gelegen, dass auch Latein und Alt-Griechisch kompetenter Bestandteil dieser Schulwebseiten würde. Der damalige Wettbewerb diente diesem Ziel.

Racherbäumer/Boltz (2012, 123) bestimmen das Jahr 2006 mit der Initiierung des Deutschen Schulpreises als Datum für die radikale Veränderung, nicht mehr die Leistung eines Individuums zu ehren, sondern eine Schule als Ganzes auszuzeichnen. Schulpreise und Schulwettbewerbe sind also ziemlich neue Phänomene in der deutschen Schullandschaft. Das Angebot besonders von Seiten externer Träger hat sich seither beträchtlich erweitert. Hier werden Schulen als Organisationen angesprochen; ausgezeichnet wird die Qualität einzelner Schulen. "Dabei treten insbesondere auch nichtstaatliche Akteure in Erscheinung, die Schulwettbewerbe initiieren und den Schulen finanzielle Anreize, mediale Aufmerksamkeit und Vernetzung mit anderen Schulen bieten" (Racherbäumer/Boltz 2012, 117). Ein primär wirtschaftlich konnotierter Wettbewerbsgedanke sei damit in Schule und Unterricht angekommen und werde im Sinne steuerungspolitischer Überlegungen nutzbar gemacht (Racherbäumer/Boltz 2012, 125).

Beispiele für Schulwettbewerbe:

Der Deutsche Schulpreis ist der wahrscheinlich renommierteste und am höchsten dotierte Preis, den Schulen in Deutschland gewinnen können. Er zeichnet – einfach gesagt – gute Schulen aus. Wer den Schulpreis gewinnen möchte, muss ein hervorragendes Schulkonzept entwickelt haben und nachweisen, dass die Umsetzung im Schulalltag klappt.

Der Umgang mit Gewalt oder mit Minderheiten, die Beschäftigung mit der NS-Geschichte oder auch der Einsatz in der Kommune für einen neuen Schulhof – all das können Projekte im Wettbewerb Demokratisch Handeln sein, in denen Kinder und Jugendliche Demokratie selbst erfahren und erleben.  Die Ausschreibung richtet sich an alle Schulformen in allen Bundesländern. Der Wettbewerb ist ein Förderprogramm.

Der Jakob Muth-Preis zeichnet Schulen aus, die ein besonders gutes Beispiel im Umgang mit Inklusion geben. Für die Bewertung betrachtet die Jury den gesamten Entwicklungsprozess, den eine Schule zurückgelegt hat, um die Inklusion in ihrem Alltag zu verankern.

Der Wettbewerb Eine Welt für alle ist eine offizielle Maßnahme des nationalen Aktionsplans der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, er soll den Lernbereich „Globale Entwicklung“ fördern und Kinder und Jugendliche für globale Verantwortung und Nachhaltigkeit sensibilisieren.

Beim Zukunftspreis der Cornelsen Stiftung Lehren und Lernen sollen Schulen spannende, unkonventionelle und überraschende Ideen und Projekte erarbeiten, die neue Impulse für ein erfolgreiches Lehren und Lernen an Schulen ermöglichen. Das Themenfeld ist sehr offen gestaltet: Digitalisierung, interkulturelle Kommunikation, Inklusion, fächerübergreifender Unterricht, Schulstrukturen und Lehrerbildung sind nur einige Bereiche.

Quelle: https://deutsches-schulportal.de/schule-im-umfeld/schulwettbewerbe-wo-schulen-gewinnen-koennen/

Wettbewerbe marktwirtschaftlich gesehen

Mit der Zunahme von Schulwettbewerben, ihrer beträchtlichen medialen Aufmerksamkeit und finanziell-personellen Ausstattung hat sich das ohnehin schon weite Feld seit eineinhalb Jahrzehnten nochmals vergrößert. Traditionell gilt: Der Wunsch, sich mit anderen zu messen - verstanden als anthropologische Grundeigenschaft - wird in Form von Wettbewerbsarrangements im Sinne des Gemeinwohls produktiv nutzbar gemacht. Im Sinn einer marktwirtschaftlichen Wettbewerbstheorie wird neuerdings der Wettbewerb "als anonymes, entpersonifiziertes und damit nicht-autoritäres Anreiz-, Lenkungs- und Kontrollsystem" (Racherbäumer/Boltz 2012, 121) verstanden, als ein dynamischer Prozess, "in einem Unternehmen zu versuchen, durch das Erbringen einer besseren Leistung zu Lasten ihrer Konkurrenten (Wettbewerber) Nachfrage zu gewinnen und ihre unternehmerischen Zwecke zu verwirklichen" (a.a.O. 121). Im wirtschaftlichen Kontext geltende Funktionen von Wettbewerb werden dann auf das Bildungswesen übertragen. Dazu gehören die Allokationsfunktion (die Zuweisung oder Verteilung von Gütern bzw. Ressourcen). die Verteilungsfunktion (die Verteilung von Gütern aufgrund des Leistungsprinzips), die Innovationsfunktion (Anreize werden geschaffen, um Produkte und Verfahren neu zu generieren und zu verbreiten), die Freiheitsfunktion (Wettbewerb generiert eine Auswahl von Produkten, zwischen denen potentielle Nutzer wählen können), die Steuerungsfunktion (eine Steuerung durch die Versorgung mit Gütern, die in Abhängigkeit von den Präferenzen der Konsumenten zu sehen sind), die Anpassungsfunktion (die schnelle Adaption an sich wandelnde gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen) und die Kontrollfunktion (Wettbewerb beugt der Vormachtstellung einzelner Unternehmen oder Organisationen vor) (vgl. a.a.O. 123-125).

Racherbäumer/Boltz kommen in ihrem Aufsatz zu ganz neuen Kategorien von Wettbewerben. An erster Stelle (2012, 126-132) nennen sie den (traditionellen) "Leistungs- und Ideenwettbewerb", der sich an einzelne Schülerinnen und Schüler und/oder -Gruppen richtet, von denen erwartet wird, dass sie in dem ausgeschriebenen Bereich herausragende Leistungen erbringen. Dieses Wettbewerbsformat habe 2011 ca. 85 % der Angebote ausgemacht. Beim "Auszeichnungswettbewerb" werde eine Leistung unabhängig von einem ausgelobten Wettbewerb erbracht. "Die Prämierung einzelner Personen oder Personengruppen wird auf der Grundlage arbeitspsychologischer Annahmen mit dem Ziel eingesetzt, Personen/Gruppen zu motivieren, ihre Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft mindestens beizubehalten, wenn nicht zu erhöhen." Beim "Best Practice-Wettbewerb" geht es darum, anhand entwickelter, transparenter Kriterien die bestmöglichen Praxisbeispiele zu identifizieren, sie bekannt zu machen und auf andere Bereiche zu transferieren. Im Gegensatz zu Leistungswettbewerben liegt der Anteil der Gesamtschulen im Vergleich zu Gymnasien hier höher (a.a.O. 135). "Förderwettbewerbe" verfolgen das Ziel, Fördermittel zur Qualitätsentwicklung unterschiedlichster Bedingungen und/oder Bereiche zu gewinnen. Dazu müssen die Schulvertreter Konzepte im Rahmen von Förderanträgen vorstellen, aus denen wenige ausgewählt und mit der entsprechenden Fördersumme prämiert werden.

Wettbewerben wird ein positives Wirkungspotenzial zugestanden, "das sich je nach Wettbewerbsformat auf die Mikroebene der Einzelperson bezieht, das Potenzial für Schulentwicklungsprozesse (Mesoebene) birgt und das den Wettbewerb zwischen Schulen vorantreiben kann (Makroebene)" (Racherbäumer/Boltz 2012, 135). Racherbäumer/Boltz konzedieren, dass "die empirische Datenlage zum Nachweis der intendierten Wirkungen, aber auch zur Entwicklung von Strategien zur Wirkungsverbesserung dünn" sei; genau so sei es erforderlich, "die Intention der Wettbewerbsausrichter näher in den Blick zu nehmen und zu hinterfragen, zumal sie mit ihrer Steuerungsfunktion festlegen, was außergewöhnlich gute Leistungen von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften bzw. ganzen Schule sind" (Racherbäumer/Boltz 2012, 135).

Fremdsprachliche Wettbewerbe als Thema in der fachdidaktischen Literatur

Was die Alten Sprachen angeht, so stellt die Veränderung der Aufgabenformate eine dauernde Aufgabe dar, um in der großen Konkurrenz auf dem Wettbewerbsmarkt bei den potentiellen Teilnehmern attraktiv zu bleiben und bestehen zu können. Festgestellt wird dort immer wieder, dass Wettbewerbe besonders dann eine begabungs- und leistungsfördernde Wirkung entfalten, wenn sie auch in die schulische und unterrichtliche Arbeit einbezogen werden. Kluge Lehrkräfte verwenden Aufgabenstellungen im Unterricht, legen eine Wettbewerbsteilnahme als Projekt an oder bereiten mit Unterstützung ihrer Schulleitung Schülerinnen und Schüler in Arbeitsgemeinschaften auf Wettbewerbe vor. Juroren wissen, dass an Schulen, die häufig Preisträgerinnen und Preisträger stellen, systematisch und langfristig eine derartige Wettbewerbskultur auch im regulären Unterricht praktiziert wird. Zu bedauern ist es dann, wenn das Thema Wettbewerbe der fachdidaktischen Literatur zum Lateinunterricht oft nur wenige Zeilen wert sind, wiewohl ihre Effekte in vielen Artikeln, in denen von Wettbewerben berichtet wird (vgl. die Bibliographie von Kipf /Schauer 2011, 136˗149), als ganz beträchtlich angesehen werden. Übrigens kennt auch ein 1989 erschienenes 500 Seiten starkes "Handbuch Fremdsprachenunterricht", herausgegeben von K.-R. Bausch, H. Christ, W. Hüllen und H.-J. Krumm, keinen Registereintrag "(Schüler)-Wettbewerb". Ebenso wenig das 1984 erschienene und 2005 erweiterte "Lexikon zum Lateinunterricht" von U. Frings, H. Keulen und R. Nickel.

Da hatte dann doch Hans-Joachim Glücklich "den richtigen Riecher"; er schreibt schon 1978 in seinem Buch "Lateinunterricht. Didaktik und Methodik", immerhin ein Jahr vor dem Start des BWFS, unter dem Aspekt "Werbung und Öffentlichkeit": "Auch ein bundesweiter, periodischer Wettbewerb könnte den Lateinunterricht noch weiter ins Gespräch bringen und ihn mit anderen Fächern gleichziehen lassen" (Glücklich 1978,207). Gerhard Fink und Friedrich Maier (1996) berichten in ihrer "Konkreten Fachdidaktik Latein L2" über den Berlin-Brandenburgischen Schülerwettbewerb Lebendige Antike 1995 vergleichsweise umfangreich unter der Rubrik "Kreatives Arbeiten und Schülerprojekte" (150-156). In der von Markus Janka 2017 herausgegebenen "Lateindidaktik. Praxishandbuch" findet sich ein Hinweis auf Schülerwettbewerbe unter der Überschrift "Handlungsorientierung im Lateinunterricht" (Janka 2017, 173). "Idealerweise ergänzen produktive Arbeit die geistige sowie Schülerwettbewerbe und Projekte die Sprach- und Textarbeit (z.B. die Aufführung eines Theaterstücks)". In der von Marina Kneip und Thomas Doepner herausgegebenen "Interaktiven Fachdidaktik Latein" (2011) werden Wettbewerbe auf knapp 20 Zeilen im Kapitel "Latein im Schulleben" verhandelt. Der Leser wird aufgefordert: "Informieren Sie sich im Internet über die wichtigsten Wettbewerbe für Latein und Griechisch: Certamen Carolinum, Bundeswettbewerb Fremdsprachen, Aus der Welt der Griechen. An wen richten sich die Wettbewerbe? In welchen Klassenstufen nimmt ein Schüler teil? Welche dieser Aufgaben sind motivierend?" Wettbewerbe werden als fördernde, aktivierende, motivierende Veranstaltungen und wichtiges Element der Begabungsförderung beschrieben. "Lateinlehrer sollten die Schüler regelmäßig über die fachspezifischen Wettbewerbe informieren. ... Wenn diese im Unterricht frustriert sind, weil es ihnen zu langsam geht, ist es eine gute Möglichkeit, diese Schüler zu aktivieren, indem man sie auf die Wettbewerbe vorbereitet. Man gibt ihnen z.B. die vorherigen Aufgaben des Wettbewerbs zur Bearbeitung oder macht sie mit den neuen vertraut und berät sie bezüglich einer Teilnahme, indem man ihnen das Thema erläutert, Quellen angibt, Ideen zur Bearbeitung andeutet. ... Die Schüler sehen auf diese Weise, dass es eine Welt außerhalb der eigenen Klasse gibt und dass es sich lohnt, gute Leistungen zu erbringen. Es sind nicht immer die Preise, die im Vordergrund stehen, sondern die Chance, andere positiv eingestellte Schüler kennenzulernen" (Kneip/Doepner 2011,205).

Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, Kreativität und Projektorientierung, individuelle Förderung und Motivation durch intellektuelle Herausforderung sind die Kategorien für die Thematisierung von Wettbewerben in der Latein-fachdidaktischen Literatur. In jüngster Zeit werden Wettbewerbe zunehmend mehr unter der Rubrik Schulische Qualitätsentwicklung betrachtet, die sich in den Dimensionen von Unterrichtsentwicklung, Personalentwicklung und Organisationsentwicklung vollzieht. Neue Aufgaben für Schulen und Lehrkräfte - auch in Sachen Wettbewerbe - definieren Beschlüsse der KMK und der Länder über Förderstrategien für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler (BMBF 2015, KMK 2015, Begabungsförderung intensivieren, 2018).

Nach wie vor aber gilt: Wettbewerbe leben in jeder Hinsicht vom besonderen Engagement der betreuenden Lehrerinnen und Lehrer. Lassen wir uns trotz der vielen schulischen und unterrichtlichen Belastungen im Alltag auf die Herausforderungen von Wettbewerbe in den Alten Sprachen ein, sie eröffnen neue Welten für Schule und Unterricht.

Literatur

  • Ax, Wolfram (2010): Quintilian für Lehrer. Bemerkungen zu Buch 1 und 2 der Institutio oratoria, in: Pegasus-Onlinezeitschrift 1-2010, 1-18. Abrufbar unter: http://pegasus-onlinezeitschrift.de/erga.html
  • Begabungsförderung intensivieren: Potentiale entdecken und fördern. Empfehlungen des Berliner Expertengremiums Begabungsförderung, hrsg. von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, 2018, Broschüre 44 Seiten, Downloadlink: https://www.berlin.de/sen/bildung/schule/foerderung/begabungsfoerderung/expertengremium.pdf
  • BMBF (2015), Begabte Kinder finden und fördern. Ein Wegweiser für Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, hrsg. Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin 2015, 118 S., Downloadlink: https://www.bmbf.de/pub/Begabte_Kinder_finden_und_foerdern.pdf
  • Engel, Wolfgang (2011): Zur 50. Mathematikolympiade 2011 in Deutschland. Erinnerungen an mathematische Schülerwettbewerbe und die Förderung mathematisch begabter Jugendlicher in der Deutschen Demokratischen Republik, Downloadlink: http://www-irm.mathematik.hu-berlin.de/~pahlisch/Olympiade.pdf
  • Entdecke neue Welten! Schülerwettbewerbe fördern Talente, Flyer, hrsg. Arbeitsgemeinschaft bundesweiter Schülerwettbewerbe, Downloadlink: https://www.bundeswettbewerbe.de/fileadmin/user_upload/agbsw-flyer.pdf
  • Fauser, Peter/Messner, Rudolf (Hrsg.): Fordern und Fördern. Was Schülerwettbewerbe leisten, Hamburg 2007, Edition Körber Stiftung
  • Fink, Gerhard; Maier, Friedrich (1996): Konkrete Fachdidaktik Latein. L2, München
  • Glücklich, Hans-Joachim (1978): Lateinunterricht. Didaktik und Methodik, Göttingen
  • Hamburg. Behörde für Schule und Berufsbildung (Hrsg.) (2018): Wettbewerbe für Schülerinnen und Schüler 2018/2019. Alle Jahrgangsstufen und Schulformen, Abrufbar unter: https://www.hamburg.de/wettbewerbe (Stand:19/01/2019)
  • Janka, Markus (Hrsg.) (2017): Lateindidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin
  • Kipf, Stefan/Schauer, Markus (2011). Bibliographie für den Lateinunterricht 2 (Clavis Didactica Latina). Bamberg (Wettbewerbe: 136˗149).
  • KMK (2009). Qualitätskriterien für Schülerwettbewerbe. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 17.09.2009.
  • KMK (2015), Förderstrategie für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 11.06.2015. 19 Seiten, Downloadlink: https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/350-KMK-TOP-011-Fu-Leistungsstarke_-_neu.pdf
  • Kneip, Marina; Doepner, Thomas (Hrsg) (2011): Interaktive Fachdidaktik Latein, Göttingen 2010, 2. Aufl. 2011
  • Kolb, Abbe; Fugmann, Joachim (2008): Tod in Rom. Grabinschriften als Spiegel römischen Lebens. Mainz: Zabern, darin: Ein dichtender Wunderknabe 218-223
  • Kriterien guter Schülerwettbewerbe - eine Liste zur Orientierung, hrsg. Arbeitsgemeinschaft bundesweiter Schülerwettbewerbe, Downloadlink: https://www.bundeswettbewerbe.de/fileadmin/user_upload/agbsw-guteSchuelerwettbewerbe.pdf
  • Rabl, Josef (2001). Auseinandersetzung mit der Antike in Schülerwettbewerben. In: Maier, Friedrich (Hrsg.), Kreativität im Lateinunterricht: Neue Chancen zur Steigerung von Effizienz und Motivation (Auxilia 47). Bamberg 145-166
  • Rabl, Josef: "Wenn wir wollen, dass alles beim alten bleibt, muss sich alles ändern." Anmerkungen zur Erfolgsgeschichte des Wettbewerbs "Alte Sprachen" in Rheinland-Pfalz, in Athlon. Festschrift für Hans-Joachim Glücklich, hrsg. vom Landesverband Rheinland-Pfalz im DAV, Speyer, 2005, 183-192
  • Racherbäumer, Kathrin; Boltz, Sandra (2012): Wettbewerbe, Preise, Qualitätssiegel und Co. Ein Überblick über Typen, Varianten, Funktionen und Wirkungen der Auszeichnung von Schülern und Schülerinnen und von Schulen, in: DDS - Die Deutsche Schule 104. Jg. 2012, Heft 2, 119-137; Downloadlink: https://www.waxmann.com/index.php?eID=download&id_artikel=ART101000&uid=frei
  • Schmitz, Ursula (1988): Quintilian - ein fortschrittlicher Pädagoge. in: Der altsprachliche Unterricht 31, 1988, H. 1, 22-38
  • Schulwettbewerbe und Best Practice, in: Die deutsche Schule. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Bildungspolitik und pädagogische Praxis, hrsg. von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, 104. Jg. 2012, Heft 2
  • Tacke, Heinfried (2007). Was ist ein guter Schülerwettbewerb? Ein Podiumsgespräch. In: Fauser & Messner. 191˗205
  • Wagner, Harald/Neber, Heinz (2007). Schülerwettbewerbe fördern Begabungen, in: Fauser/Messner (2007). 73˗84.
  • Wettbewerbe machen Schule im Land Brandenburg, Hrsg. vom Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg, Redaktion: Heinz Schroth, 104 Seiten, 2010
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