— von Josef Rabl

Zwei neue Bücher zum Thema „Interpretieren im Lateinunterricht”! Als Praktiker greife ich zuerst nach dem dünneren Band mit „Kopiervorlagen für alle Jahrgänge“. Er bietet „vollständige und erprobte Interpretationen lateinischer Texte für alle Stufen des Gymnasiums” (Vorwort, S. 7). Kurzes Blättern bestätigt diese Intention, denn hier geht es um ganz geläufige Lektüren des Lateinunterrichts wie „Sextus Roscius vor Gericht”, „Hannibal ante portas”, „Ein Dummkopf wird Konsul”, es geht um „Phaedrus: Formica et Musca”, „Einhardus: Karl – eine große Persönlichkeit”, „Mose 37: Joseph und seine Brüder”, „Terenz, Adelphen: Erziehungsstile”, „Caesar: Rede des Critognatus”, „Cicero: Die sokratische Wende”, „Seneca: Ursachen des Zorns”, „Seneca: Das Alter”, „Ovid: Schönheitsoperationen” und „Vergil: Aeneas verlässt Dido”. Die 13 Exempel sind durchwegs strukturgleich jeweils in drei Schritten aufgebaut: Unter A gibt es einen Einstieg in die Phase der Interpretation, der vor dem zu interpretierenden Text angesiedelt ist: dabei geht es um eine motivierende Anknüpfung an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler. Unter B befindet sich die philologische Analyse des Textes; sie betrifft im Prinzip (also nicht immer und überall) die Aspekte der Textsorte, der Textstruktur, des Lerninhalts und der Textaussage. „C bietet die eigentliche Interpretation, die in der Fachliteratur auch gegenwartsbezogene, anthropologische oder pädagogische genannt wird; diese stellt den Kontakt zwischen dem Text und den Lebenswelten und Erfahrungen der jungen Menschen her. Dort finden Sie vielfältige Aufgaben, teilweise mit kreativen und produktionsorientierten Interpretationsansätzen” (Vorwort, S. 7).

Die Arbeitsblätter bieten Kopiervorlagen zu den drei Schwerpunkten (a. historisch-pragmatische Texte, b. philosophische/ethisch-moralische Texte, c. kürzere Ganzschriften oder größere Abschnitte aus längeren Ganzschriften) mit je einem Beispiel inkl. Lösungshinweisen (im Downloadbereich auf der Verlagswebseite) aus Lehrbuch, Übergangslektüre und Originallektüre. Wert gelegt wird dabei auf den Einsatz von Bildern, den Text-Text-Vergleich, den Text-Bild-Vergleich und die szenische Interpretation, auch Überlegungen zur Umsetzung horizontaler Binnendifferenzierung spielen eine Rolle. Der Band eignet sich also vorzüglich dazu, die vier- bis sechsseitigen Exempla im Rahmen eines entsprechenden  Lektüreprojekts, in einem mehrstündigen Vertretungsunterricht oder anderweitig sinnvoll einzusetzen, dabei dem „Interpretieren” im Unterricht größeres Gewicht zu geben, das eigene Methodeninventar zu erweitern und das eigenständige Konzipieren von Interpretationsphasen im Unterricht weiterzuentwickeln.

An diesem Anliegen und ebenso an der Auswahl der Texte und Themen bei allen Kopiervorlagen ist zu spüren, dass die Autoren des Material- und Theoriebandes versierte Praktiker sind. Verena Göttsching hat an verschiedenen Baden-Württemberger Gymnasien Latein unterrichtet, sie ist mittlerweile in Pension. Als Fachberaterin für Latein sowie Lehrbeauftragte in der Lehrerbildung war sie in Freiburg i. Br. tätig. Stefano Marino ist dem Anschein nach ihr Nachfolger als Fachberater für Latein am Regierungspräsidium Freiburg und am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Freiburg.

Während sich bei mir bei der Durchsicht der Kopiervorlagen der Gedanke einstellt (auch wenn die Beispiele zugegeben recht elaboriert sind), das könnte ich auch, überwältigt mich beim Lektürestart in dem 220 Seiten starken Handbuch recht schnell das Gefühl, „Interpretieren im Lateinunterricht” müsse eine reichlich komplexe und komplizierte Angelegenheit (geworden) sein. Es beginnt ja schon bei den Schülerinnen und Schülern, die heutzutage „alle anders” sind und allesamt individuell angesprochen werden wollen, ein gemeinsamer Nenner ist völlig aus dem Blick geraten oder es gibt ihn nicht mehr. Gemäß diesem Befund beginnt dieses Handbuch mit den Lebenswelten heutiger Jugendlicher und den Herausforderungen des Lehreralltags. Das ist nicht uninteressant, tröstlich dennoch die Anmerkung: „Lassen Sie sich bitte nicht von den zahlreichen Anforderungen erschlagen, nehmen Sie die in den einzelnen Feldern benötigten Eigenschaften eher im stoischen Sinne: Wie der stoisch denkende Mensch lebenslang sich auf den Weg macht, um das summum bonum und die perfecta ratio zu erreichen (ohne diese Ziele jemals zu erreichen), lernen auch Sie lebenslang, dem Ideal des guten Erziehers näherzukommen” (S. 30). 

Aus der fundamentalen Frage „Wie ticken Jugendliche?” (15ff) folgt dann konsequent die Überlegung „Jugendgerecht interpretieren – wie kann das gehen?” (37ff). Die Autoren zitieren W. Heilmann, der betonte: „Wir sollten uns auch immer vor Augen halten, dass die philologische Ausbildung uns darauf trainiert hat, den formalen Aspekten ein besonderes Gewicht zu geben und das quid ad nos? kaum zu beachten. Nur eine bewusste Gegensteuerung kann uns davor bewahren, das im Unterricht fortzusetzen.” (39) In gleicher Weise gilt die Feststellung, um die keine Lehrerbildung im Fachseminar Latein herumkommt, dass antike Texte von Männern der römischen Oberschicht nun zuallerletzt für Kinder und Jugendliche des 21. Jahrhunderts verfasst worden sind. Wieder bleiben die Autoren bei ihrem Anliegen „jugendgerecht zu interpretieren” ausdrücklich auf dem Boden der Realität: „Gegenwarts- und adressatenbezogenes Interpretieren ist ... ein Spiel mit vielen unbekannten Größen. Wenn wir Ihnen beim Findungsprozess Unterstützung geben und ein gewisses Knowhow vermitteln können, hat dieses Handbuch sein Ziel erreicht” (42).

Im Kapitel „Bausteine für die Textarbeit” vertreten die Autoren die Auffassung, dass die mehrstufige Interpretation zu allen Stufen des Lateinunterrichts gehöre, also zum Anfangsunterricht ebenso wie zum Oberstufenunterricht. Sie konzedieren, dass in der Lehrbuchphase – u.a. auch aus Zeitgründen – „für ein Schuljahr vier Interpretationsphasen ausreichend erscheinen” (52). Für die Oberstufe gilt dann der Grundsatz „Kein Lesen, keine Textarbeit ohne Interpretieren!” (55). Sodann werden Einstieg und Interpretation, Texterschließung und Übersetzung, die Bausteine der Textarbeit, ausführlich behandelt, vor allem die Frage „Wie bringe ich den Gegenstand in den Fragehorizont des Kindes? Wie mache ich ihn fragenswert?” (Heinrich Roth), alles unterlegt mit aussagekräftigen Beispielen und praktischen Anwendungen.

Mit den Kapiteln 6 („Ethisch argumentieren”), 7 („Bilder und Zweittexte”) und 8 („Kreativ-produktive Verfahren”) stoßen die Autoren zum Kern der (textüberschreitenden) Interpretation vor: „Keine Interpretation kann allein mit der kognitiven Aufnahme eines Textes enden, im Gegenteil: der Text setzt von ganz allein Anreize, ihn zusätzlich mit Händen, Stimme, Augen, Ohren auf eine andere Weise anzugehen und für sich nutzbar zu machen” (140). Im Lateinunterricht mit Schülerinnen und Schülern ethischen Fragen (auch in der Unter- und Mittelstufe) nachzugehen, halten die Autoren für eine beglückende und gewinnbringende Sache, sie demonstrieren das an vielen Beispielen, empfehlen dazu zahlreiche Texte und geben geeignete Aufgabenstellungen. Überdies konstatieren sie: „Als Lateinlehrer tun wir ... gut daran, stets eine Auswahl an Ethikbüchern aller Klassenstufen zur Hand zu haben. Sie geben wertvolle Tipps sowohl zum Inhalt als auch zur Methodik und stellen darüber hinaus Bildmaterial und Zweittexte aus allen Epochen bereit. Wer sich auf die didaktischen Konzeption, die Zielsetzung und die Methodik des Ethikunterrichts einlässt, erhält zahlreiche Anregungen, die dem Interpretieren lateinischer Texte zugutekommen” (141).

Zwei besonders effektive und produktive Verfahren – Vergleich mit Bildern und Zweittexten – werden in größeren Abschnitten abgehandelt, zumal sie in der fachdidaktischen Ausbildung meist etwas kurz geraten: „Aber verfügen wir auch über ein entsprechendes Knowhow zum Einsatz von und im Umgang mit Bildern? Wenn überhaupt, dann streift die Fachdidaktik in Zusammenhang mit der Interpretation bestenfalls Möglichkeiten des Einsatzes von Bildern. Mit dem Thema ,Einsatz von Bildern’ lässt sie die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer oft alleine” (164). Unter der Überschrift „Kreativ-produktive Verfahren” (187ff) wird zunächst die Binnendifferenzierung als ideale Organisationsform gedeutet „wenn ein Text so interpretiert werden soll, dass er mit allen Lernkanälen begriffen werden kann. Jeder Lernweg steuert auf seine Weise einen Teil zur Gesamtinterpretation bei” (188). Die Autoren stellen dann „fünf Säulen kreativer Textinterpretation” in Theorie und Praxis vor: man kann eine Textpassage inhaltlich mit Worten (schriftlich und mündlich) verarbeiten, durch Zeichnung, Skizze u.ä. verdeutlichen, in Musik oder Bewegung umsetzen und durch Spiel darstellen.

Den Schluss des Buches bilden zwei Kapitel mit Basiswissen. Im ersten geht es um die Benennung und Beschreibung von Operatoren. „Operatoren öffnen das Nachdenken oder das Sprechen über ein Thema, sie geben den Schülerinnen und Schülern Impulse. Dass diese durch das erlernte Repertoire von Operatoren den Text selbstständig analysieren und interpretieren können, könnte der Wunschtraum jeder Lehrerin und jedes Lehrers sein” (198). Sie übernehmen dazu die offiziellen Operatoren des Bildungsplans 2016 (Latein/Griechisch, Baden-Württemberg), ergänzt durch zahlreiche andere Impulse, „die sich aus dem Text ergeben und die zu Leistungen führen, die nicht gemessen und bewertet werden müssen” –
und die sich im Unterricht bewährt haben. Es folgen wieder mehrere Seiten (202–206) mit Beispielen und Einsatzmöglichkeiten im LU. Um weiteres Basiswissen geht es schließlich im Abschnitt „Fachdidaktische Modelle”. Grundlagen, Formen und Zielsetzungen der Interpretation sind schon immer Gegenstand der Fachdidaktik. Fünf Fachdidaktiker (H.-J. Glücklich, 1978 – F. Maier, 1984 – K. Spinner, 1987 – W. Heilmann, 1993 – P. Kuhlmann, 2009/10) und ihre Modelle werden vorgestellt: „Alle Faktoren des Interpretierens, die jemals für die Interpretation be- und erdacht worden sind, müssen wir kennen, denn sie liefern uns, auch wenn wir sie nicht mehr in der vorgeschlagenen Form anwenden können, ein umfangreiches Wissen über Ansätze und Wege des Interpretierens; ohne dieses Fundament bleibt jeder Interpretationsversuch in der Begrenztheit des Schülerhorizonts stecken, mit Hilfe des Basiswissens sind wir in die komfortable Lage versetzt, zielführende Anregungen geben zu können” (208).

Das vorliegende Handbuch bietet viel Praktisches aus dem Unterricht und für den Unterricht, bis hin zu einem Stellenindex und Literaturangaben zu jedem der zehn Kapitel. Vier wichtige Interpretationskonzepte werden vorgestellt und neue Gesichtspunkte durch konsequentes Ausschöpfen und Erweitern der pädagogischen Interpretation eingebracht. Besonders der Heterogenität der Schüler und dem quid ad discipulos? schenken die Autoren breiten Raum. Einem Lateinlehrer, der sich daran orientiert, sollte es gelingen, mit den Schülerinnen und Schülern zur Sache in einen lebendigen Dialog zu treten.

9783525711095

Verena Göttsching / Stefano Marino, Interpretieren im Lateinunterricht.
Ein Handbuch, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1. Auflage 2017, Paperback, 
220 Seiten, mit 20 Abbildungen, 
ISBN 978-3-525-71109-5, 35,00 €

9783525711156

Verena Göttsching, Interpretieren im Lateinunterricht – konkret.
Kopiervorlagen für alle Jahrgangsstufen, Vandenhoeck & Ruprecht, 1. Auflage 2017, 72 Seiten
Mit ca. 20 Abb. kartoniert,
ISBN 978-3-525-71115-6, 20,00 €


Mit seinen Alltagsszenen aus der antiken Welt und den farbgewaltigen mythischen Sequenzen aus dem alten Rom, Pompeji oder Ägypten heizte der Maler einst die Antikenbegeisterung des viktorianischen England an. Als unmoderner, kitschiger Salonmaler wurde der Starkünstler jener Epoche dann in der Zeit vom frühen 20. Jahrhundert bis in die 1980er-Jahre abgetan. Die Ausstellung Victorians in Togas im Jahr 1973 im Metropolitan Museum of Arts in New York markierte den Beginn einer ernsthaften Auseinandersetzung mit einer umstrittenen und gerade deshalb für die neuere Forschung höchst interessanten Figur der Kunstgeschichte des späten 19. Jahrhunderts, Lawrence Alma-Tadema. Trotz der steten Beliebtheit seiner Malerei bei Sammlern wurden die Sujets seiner historischen Genrebilder als zu süßlich oder gar kitschig empfunden und seine Rekonstruktionen der antiken Lebenswelt häufig als dekadente Anmaßung abgetan. In der neueren kunsthistorischen Forschung ist die Scheu vor der Beschäftigung mit den vermeintlich unmodernen Seiten des 19. Jahrhunderts einem neuen Interesse an den „Seitenwegen” der Kunstgeschichte gewichen, die in ihrer Zeit oftmals den Mainstream bildeten. 

Der viktorianische Starkünstler mit dem Beinamen „Künstlerarchäologe”, Lawrence Alma-Tadema, erfährt seit einigen Jahren eine Neubewertung. Seine anekdotenhaften Szenen aus der Welt der Antike erweisen sich als Fundgruben archäologischer Akribie und ästhetischer Kultiviertheit, in denen es noch viel zu entdecken gibt. Der bemerkenswerte Erfolg des „Künstler-Archäologen” Lawrence Alma-Tadema zeigt sich in einer erstaunlichen Zahl von Auszeichnungen, Medaillen und Ehrungen, deren bedeutendste der Order of Merit war, ein von König Edward VII. 1902 gestifteter und auf 24 lebende Ordensträger begrenzter Verdienstorden, die „herausragende Leistungen beim Militär, in Wissenschaft, Kunst, Literatur oder auf anderen Gebieten” erbracht haben, (heute zählen der Maler David Hockney, der Architekt Lord Norman Foster, der Dirigent Sir Simon Rattle, sowie der Kunsthistoriker und Intendant des Berliner Humboldtforums Neil McGregor dazu). Tadema gehörte zu den ersten Ordensträgern aus dem Bereich der Kunst und hatte es mit dieser Auszeichnung in die höchsten Kreise der Künstlerelite Großbritanniens, ja der gesamten Welt geschafft.

Der Friese Lourens Alma Tadema (1836–1912) bekam seine Ausbildung zum Maler in Antwerpen. 1863 heiratete er dort Pauline Gressin, eine Französin, und lebte mit ihr bis zu ihrem frühen Tod 1869 in Brüssel, Im Alter von 34 Jahren ging er 1870 nach London, wo er bis zum Ende seines Lebens wohnen und arbeiten sollte. Er ließ sich einbürgern und wurde zu Lawrence Alma-Tadema. Seine Vornamen Lourens Alma hatte er nach seinem Taufpaten erhalten; später machte er Alma zum Bestandteil seines Nachnamens, um gleich am Anfang von alphabetisch sortierten Ausstellungskatalogen zu erscheinen. 1871 heiratete Alma-Tadema in London Laura Theresa Epps, die aus einer Künstlerfamilie stammte und sich unter dem Namen Laura Theresa Alma-Tadema ebenfalls einen Namen machte. Königin Victoria, die Alma-Tadema sehr schätzte, verlieh ihm 1873 das dauerhafte Aufenthaltsrecht, da es ihm sonst als Ausländer nicht gestattet gewesen wäre, Mitglied der Royal Academy of Arts zu werden.

Der Künstler entwickelte sich in England zu einem der wichtigsten Maler seiner Zeit. Er verfügte über ein riesiges Netzwerk und malte im Auftrag von wohlhabenden Industriellen. 1899 wurde Alma-Tadema von Königin Victoria in den Adelsstand erhoben und durfte sich fortan „Sir” nennen. Nach seinem Tod (am 25. Juni 1912 in Wiesbaden) war ganz London auf den Beinen, und er wurde als eine Berühmtheit in St. Paul’s Cathedral begraben.

Seine sinnlichen Darstellungen alltäglicher Szenen in der Antike machten ihn über die Grenzen Großbritanniens hinaus berühmt. Im Unteren Belvedere in Wien wird der Künstler vom 22. Februar bis 18. Juni 2017 mit einer Einzelausstellung gewürdigt, sie umfasst rund zweihundert Objekte, darunter mehr als achtzig Gemälde von Alma-Tadema und Dutzende Zeichnungen, Drucke und Gegenstände aus seinem Atelier. 

Seit Oktober 2016 waren Alma-Tademas Werke im niederländischen Fries Museum in Leeuwarden (2018 Kulturhauptstadt Europas!) in einem 2013 neu eröffneten Gebäude zu sehen. Das Fries Museum erhielt dank großzügiger Schenkungen des Künstlers und seiner beiden Töchter schon früh eine einzigartige Sammlung aus Gemälden, Arbeiten auf Papier und persönlichen Gegenständen aus seinen Häusern und Ateliers und hat seine Schätze durch Schenkungen und Ankäufe kontinuierlich vergrößert.  

Vom 7. Juli bis zum 29. Oktober 2017 gastiert Alma-Tadema: At Home in Antiquity im Londoner Leighton House Museum, dem früheren Wohnhaus und Atelier des tonangebenden viktorianischen Künstlers Lord Leighton (1830-1896). Alma-Tadema war mit Leighton befreundet und dessen Haus erinnert an Tademas vergleichbares Haus und Salonatelier in London. Leightons Heim wurde anfangs bescheiden gebaut, wuchs sich dann aber zu einem „Privatpalast der Kunst” aus und wird jetzt als eine der schönsten architektonischen Sehenswürdigkeiten in London angesehen: Drei Stationen der Ausstellung – Drei lohnende Reiseziele! Im Prestel-Verlag erschien dazu ein sehr schöner, üppig illustrierter und informativer Katalogband. 

Alle Biografen Tademas beschreiben die Italienreise des Jahres 1863 als einen Wendepunkt. „Zum ersten Mal erlebt ein Mensch von der Nordsee das gleißende Sonnenlicht und die mediterrane Pflanzenwelt des Südens und ein freiheitsliebender Friese das gerade unabhängig gewordene und vereinte Italien.” (S 20). Die Innenansicht der Kirche San Clemente, Rom (1863, Öl auf Leinwand, 63,5 x 51 cm) scheint mit den buntfarbigen Marmoroberflächen und dem glänzenden Gold des Apsismosaiks die späteren Arbeiten des Künstlers bereits anzudeuten. Ein hinter den Säulen verschwindendes Kind, gewandet in ein hübsches, modernes Kleid, verweist auf das Thema, das sich durch das gesamte spätere Werk des Künstlers ziehen sollte: Wie bewegt sich ein ganz normaler Zeitgenosse in den großartig gestalteten Räumen eines historischen Gebäudes? (S. 20) Die Begeisterung des Künstlers für das klassische Altertum entwickelte sich freilich erst nach und nach. Ein entscheidendes Element war sicherlich das physische Erleben des dreidimensionalen Raums, wie es insbesondere in Pompeji möglich war, das 1748 wiederentdeckt und seither beständig weiter ausgegraben wurde. Ein Foto aus der Sammlung des Künstlers zeigt eine Person in dunklem Anzug und mit Melone auf dem Kopf, die in der Ecke eines pompejanischen Wohnhauses auf dem Boden kniet und mit Messungen beschäftigt ist. Der Betrachter sieht hier jenen „Künstler-Archäologen”, der genaue Maße nimmt und Informationen für seine Gemälde sammelt. Solche akribischen Studien altertümlicher Objekte und Bauwerke trugen ihren Teil zu Reiz und Glaubwürdigkeit der Darstellungen bei.

In den Jahren nach 1863 erschienen Gemälde, die präzise Rekonstruktionen des Lebens sind, wie es in einer römischen Stadt des ersten nachchristlichen Jahrhunderts geführt wurde. Sie zeigen eine pompejanische Umgebung, die vor den Augen des Betrachters zum Leben erweckt wird. In Römische Lektüre von 1865 liest ein Mann in einem wallenden roten Gewand gerade in einer Papyrusrolle; hinter ihm steht ein Regal mit vielen weiteren Schriftrollen, das antike Gegenstück zum Bücherschrank. Der Künstler hat sich wie ein Archäologe mit den kleinsten Details der einzelnen Gegenstände auseinandergesetzt – Tischbeine und Seitenteile von Bänken, Lampen und Öfen, Trittsteine und Wandbilder. Andere Gemälde beschäftigen sich mit historischen Persönlichkeiten aus dem alten Rom und (gelegentlich) dem antiken Griechenland, wobei ihn besonders die römischen Elegiendichter Tibull und Catull am Herzen lagen. Lesbia beweint einen Spatz setzt das Carmen 3 von Catull in ein Bild um. Der Dichter beweint den Tod des Lieblingsvogels seiner Geliebten. Möglicherweise liegt ein Anflug von Satire in der übersteigerten Trauer der weiblichen Figur. In Phidias zeigt seinen Freunden den Parthenonfries stellt er den berühmtesten Bildhauer der Antike dar, der gerade einigen Honoratioren von Athen die großartigen Skulpturen am Fries des Athenatempels präsentiert.

Eine wichtige Serie von Bildern zeigt Szenen mit Sammlern aus dem alten Rom, die ihren Gästen in üppig dekorierten Räumen ihre Kunstwerke zeigen. Alle diese Gemälde stehen für das wachsende Interesse des Malers am häuslichen Umfeld der von ihm dargestellten Charaktere aus der Antike, das aber schon bald auch in seinem eigenen Alltag Realität annehmen sollte. Ein Schwerpunkt der Ausstellung demonstriert, wie stark sich Tademas Leben und Kunst durch die einzigartige Gestaltung der Räume seiner Häuser, die er und seine Familie gemeinsam entwarfen und dekorierten, gegenseitig beeinflussten. Ein weiterer Akzent der Ausstellung liegt in der Frage, wie Tademas Gemälde in Beziehung zu dem stehen, was zu seiner Zeit in London und Wien geschah. Tademas komplexe Beziehung zu Frederic Leighton (1830–1896), der in einem ähnlich grandiosen Haus wohnte, wird in diesem Katalogband ebenso behandelt wie die Verbindung zwischen Tadema und den frühen Arbeiten von Gustav Klimt (1862–1918).

Mit seinen Alltagsszenen aus der antiken Welt und den farbgewaltigen mythischen Sequenzen aus dem alten Rom, Pompeji oder Ägypten heizte der Maler einst die Antikenbegeisterung des viktorianischen England an. Alma-Tadema zeigt bei aller Idealisierung reale Menschen und galt zugleich als Kenner von Interieur und Architektur der Zeit. Für seine Bilder, die mittlerweile recht große Formate erreichten, wählte er – selbst auf dem Höhepunkt seines Ruhms angelangt – als Motive die ganz wichtigen Persönlichkeiten: Kaiser und die wohlhabendsten römischen Persönlichkeiten traten an die Stelle der eher provinziellen pompejanischen Bürger seiner früheren Bilder. Im ausgehenden 19. Jahrhundert stand das British Empire auf seinem Zenit, und die Parallelen zu diesen Themen, die den Reichtum und die Macht des Römischen Kaiserreichs behandelten, waren unübersehbar. Doch der Künstler war kein Imperialist: Durch seine niederländische Herkunft mit einem großen Freiheitsdrang ausgestattet und von der Gleichheit der Menschen überzeugt, finden sich in seiner Darstellung der Kaiser auch immer kritische Elemente.

Tademas Tafelbilder mit Szenen aus dem Rom der Kaiserzeit stehen in der Tradition der sog. Fijnschilder mit ihren meisterhaften kleinformatigen Darstellungen von Alltagsszenen in den Niederlanden, die auf Maler insbeson-dere aus Leiden im 17. Jahrhundert zurückgeht. Tadema wendet diese Tradition auf Personen und Objekte aus dem klassischen Altertum an. Seine Motive lassen sich am ehesten mit den Bildern von Jean-Léon Gérôme und anderen französischen Künstlern vergleichen, die in den ausgehenden 1840er-Jahren wegen ihrer von der Archäologie inspirierten Szenen aus dem antiken Alltagsleben Néo-Grecs genannt wurden. Tadema sah deren Arbeiten möglicherweise, als er 1864 auf dem Rückweg von Italien in Paris war. Sehr bald aber beschäftigte er sich intensiver mit den Alltagsgegenständen aus der Antike als Gérôme und die anderen. Durch seine Ausbildung in den Niederlanden und Belgien wurde er geradezu zu einem Experten in der Umsetzung der Besonderheiten und Details von Objekten.

Tadema lebte zu einer Zeit, in der die Welt den Künstlern offenstand, und er wusste weitaus besser als viele seiner Zeitgenossen die Vitalität eines Kunstmarktes für sich zu nutzen, der sich über die ganze Welt erstreckte. Seine Arbeiten waren gefeierte Attraktionen bei den großen Weltausstellungen in Europa und Amerika jener Zeit, die die Kunst aller Nationen zusammenbrachte. 

Nur zwei Jahre nach seinem Tod 1912 allerdings sollte der schöne Traum von einer Welt in Frieden und Harmonie platzen, in der die Kunst einen Beitrag dazu leisten kann, dass sich die Menschen überall auf der Welt verstehen. Die Künstler der Generation etwa, die im Ersten Weltkrieg an der Front kämpften, fanden später oft nur bittere Worte oder Hohn und Spott, wenn sie über die Künstlergeneration vor ihnen sprachen. Viele Künstler aus Tademas Generation verloren damals die Gunst der Kunstkritiker – und Tadema traf es besonders hart. (S. 171) Er wurde in der Zeit vom frühen 20. Jahrhundert bis in die 1980er-Jahre häufig als unmoderner, kitschiger Salonmaler abgetan. Was als Antithese zu den ideologisch überladenen, pathetischen Schinken des Historismus einen ersten Schritt auf dem Weg zur Ästhetik der Moderne bedeutete, wurde Jahrzehnte später nicht mehr in diesem Kontext verstanden. Mit seinem unprogrammatischen Ästhetizismus und der klassischen Klarheit seiner Bildkompositionen bildet der Künstler jedoch ein wichtiges Vorbild für den europäischen Jugendstil und insbesondere den jungen Gustav Klimt.

Zum Ende von Tademas Leben – er starb 1912 – trat das Kino seinen Siegeszug an. Eines der wichtigsten und spektakulärsten Kinoformate war der in der klassischen Antike spielende Historienfilm. Weithin bekannt ist, dass die Gestalter solcher Filmsettings Tademas Gemälde als wichtige Quelle und Inspirationsmaterial nutzten. Ivo Blom geht in seinem Essay „Das zweite Leben des Lawrence Alma-Tadema” (187–199) näher auf den Einfluss seiner Kunst auf Filmregisseure, Gestalter und Produzenten in Europa als auch in Hollywood ein und zeigt, wie groß dieser Einfluss bis heute ist. Seine Kompositionen prägten die damalige Vorstellung der Menschen vom Leben in der Antike. Filmemacher epischer Historienfilme wie Quo Vadis? von Enrico Guazzoni (1913) und Ridley Scotts Gladiator (2000) orientierten sich an Alma-Tademas Bildern für Kostüme und Filmsets, was in der Ausstellung durch die Gegenüberstellung von Filmausschnitten und Werken verdeutlicht wird. Eine weitere Wendung entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Die Faszination, die Tademas Arbeiten auf das Kino ausübten, hat seine ganz besondere Ästhetik für ein weltweites Publikum am Leben erhalten, und dieses Publikum ist heute natürlich noch größer als in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mittlerweile lassen sich zeitgenössische Künstler weltweit von Tademas Arbeiten neu inspirieren, viele Interessierte durchsuchen das Internet nach seinen Bildern. Als Alma-Tademas Ruhm verblasste, wollten Museen das Bild „Auffindung des Moses“ (1904) – gemalt für den Erbauer des Assuan-Staudamms, dessen eigene Tochter für die Tochter des Pharao im Bild  Modell saß – nicht einmal geschenkt, erzählt Kris Callens, Direktor des Fries-Museums. 2010 erzielte es bei Sotheby's 35,9 Millionen US-Dollar –  das Zehnfache des Schätzwerts und der höchste Preis für ein Bild jener Epoche. In diesem Sinn ist die Belvedere-Schau auch ein Lehrstück über die Konjunkturwellen des Kunstgeschmacks. 

Alma Tadema dt 173682

Klassische Verführung, 
herausgegeben von Elizabeth Prettejohn und Peter Trippi, Prestel Verlag 2016, 
240 Seiten, 24,0 x 30,0 cm, 246 farbige Abbildungen, 
ISBN: 978-3-7913-5551-1, 
im Buchhandel € 49,95. 
Museumsausgaben in Deutsch, € 29,95, 
Englisch und Niederländisch 


Computerräume, die so manche Schulleitung heute noch stolz präsentiert, wenn sie danach gefragt wird, Computerräume seien fast schon so aus der Zeit gefallen wie die Sprachlabore, die in den siebziger und achtziger Jahren als das Nonplusultra galten, konnte man kürzlich in der FAZ (17.04.2017) lesen1

In der Zukunft solle „jede Schule an ein Breitbandkabel angeschlossen und jedes Klassen- und Lehrerzimmer mit W-Lan ausgestattet sein”. Damit erübrigt sich dann auch der Streit um den Zugang zu einem der zwei Computerräume meiner Schule, die überdies viel zu klein sind, um die Normalbesetzung von 32 Schülern eines Berliner Gymnasiums aufzunehmen. Man muss dann auch nicht mehr den Rest der Doppelstunde vor dem Uralt-PC sitzen, wenn man ihn – wegen Methodenwechsels – eigentlich nicht mehr braucht.  

Die nähere Zukunft soll ganz anders aussehen: „Die Schüler haben mobile Endgeräte wie Notebooks, Tablets oder Smartphones. Mit diesen loggen sie sich in eine Schul-Cloud ein, können Aufgaben online erledigen, Unterrichtsmaterial herunterladen und bearbeiten und natürlich kommunizieren. Bücher und Tafeln werden aus dem Unterricht allerdings nicht verschwinden, genauso wenig die Diskussionen in der Klasse”. Da werden die Kultusminister ein Auge draufhalten: „Es geht nicht darum, Buch und Heft durch den Laptop zu ersetzen, sondern zu ergänzen, wenn das Digitale einen pädagogischen Mehrwert bringt“, sagt Susanne Eisenmann, Bildungsministerin von Baden-Württemberg und Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Sie orchestriert die Länder dabei, sich bis zum Sommer auf Eckpunkte in Sachen Digitalisierung zu einigen, damit das Geld von Johanna Wanka2, das noch nicht in den Haushalt eingestellt ist, irgendwann fließen kann.”

„... wenn das Digitale einen pädagogischen Mehrwert bringt”. Das ist natürlich von den Ambitionen und Unterrichtskompetenzen einer jeden Lehrkraft abhängig; jeder Lateinlehrer, der nach einem bewährten digitalen Instrument für seinen Fachunterricht sucht, darf aber sicher sein, dass die neuerdings cloud-basierte Latein-Lernsoftware Navigium ihm die allerbesten Voraussetzungen dafür bietet. Cloud-basiert heißt: Keine Startdiskette ist mehr einzuschieben, keine CD-ROM einzulegen (so war das früher, ich habe zwanzig Jahre zu Hause und in der Schule in allen Altersstufen mit NAVIGIUM gearbeitet!), eine gesonderte Installation zu Hause oder in der Schule (!) ist überflüssig. Man geht ins Internet, loggt sich in das Programm ein und los geht es.

Schon der Name ist Programm, NAVIGIUM – man denkt an ein behäbiges Lastschiff oder das Bild vom Staatsschiff, an Odysseus zwischen Skylla und Charybdis, an Aeneas im Sturm, an Caesar und die Seeräuber, Kleopatras Flucht per Schiff, an die Handelsflotte des Trimalchio – Gefahren allüberall, aber das Schiff fährt und zeigt sich gewissermaßen als Bastion auf hoher See. 

Mit NAVIGIUM soll man die Klippen und Stürme des Lateinunterrichtsalltags meistern, so die Idee der beiden Programmmacher Dr. Karl Niederau (der Lateiner) und Philipp Niederau (der Informatiker), dazu haben sie ihr Schiff mit allem technischen und fachlichen Knowhow ausgestattet. Solch ein Schiff bringt allerdings nicht nur ein langjährig tätiger Kapitän oder ein gelernter Schiffsmechaniker aufs Wasser, sondern das schafft auch quasi ein Azubi. Die erst kürzlich fertig gestellte cloud-basierte Version lässt sich spielend leicht bedienen und ist absolut selbsterklärend aufgebaut. Ich habe den Selbsttest gemacht und bei NAVIGIUM angeheuert.

Als erstes habe ich mir per Email den Zugangscode besorgt (war einen Tag später da!). Seither nehme ich die Schülerrolle ein und interagiere: Zunächst habe ich drei Kapitel Vokabeln eingegeben. Dabei kann man nichts falsch machen. Der PC übernimmt ein Vielfaches meiner Arbeit; er will nur die jeweilige lateinische Vokabel. Mit einem Klick lassen sich vorhandene Bedeutungen löschen und weitere Bedeutungen ergänzen. Der Datei gibt man schließlich einen Namen und speichert sie ab. – Dann habe ich mich Vokabeln abgefragt, Vokabeln aus dem Zettelkasten, bestehend aus meinen drei Vokabellektionen. Ich habe dabei auch Fehler gemacht, absichtlich (können Sie mir glauben!), um zu sehen, wie der Computer reagiert. Bei bloßen Schreibfehlern mahnte er mich freundlich, die Rechtschreibregeln einzuhalten und auch auf Groß- und Kleinschreibung zu achten. Der Clou freilich ist, dass das Programm beim Abfragen auch Bedeutungen als "richtig" zulässt, die nicht zum Lernvokabular gehören, die allerdings im includierten Schul- und Großwörterbuch stehen. Bislang musste ich meine Schüler immer trösten mit der Bemerkung, dass Computer dumm seien. In diesem Punkt ist NAVIGIUM ganz schön clever! – Die gekonnten und die nicht gekonnten Vokabeln kamen in den Tiefen des Computers bzw. der cloud in verschiedene Fächer des Zettelkastens. Weil ich auf der Zettelkastenseite meine E-mail-Adresse eingetragen habe, bekomme ich täglich morgens und abends eine  Email, die mich auf die Erledigung meines Lern- und Wiederholungspensums hinweist. Wenn ich fleißig war, kommt eine Email, die mir freundlich sagt, ich hätte schon alle Aufgaben erledigt.

Als (wohl meistens junger) Anfänger hat man bei NAVIGIUM den Status des einfachen miles (erinnerte mich an Seneca, epist. XVI, 96,5: vivere militare est – das Leben ist ein Kampf). Obwohl ich nur durchschnittliche Ergebnisse hatte, bin ich schon zweimal virtuell befördert worden (für einen Lehrer in Berlin ziemlich ungewöhnlich), zum signifer und dann zum aquilifer. Das ist doch was! Ich bin schon gespannt, welchen Karrieresprung ich demnächst machen werde. – Jeden Tag treffen also (nach Eingabe meiner E-mail-Adresse) zwei Statusmeldungen als Erinnerung zum Vokabellernen ein: 

Guten Abend! Im Karteikasten sind noch 0 Vokabeln zu lernen. Letzte Abfrage 15.04.2017 – 

Vokabeln im Vorrat 0 / 

Vokabeln in Fach 1: 18 /

Vokabeln in Fach 2: 80 / 

Vokabeln in Fach 3: 49 / 

Vokabeln in Fach 4: 0 / 

Vokabeln in Fach 5: 0 / 

Vokabeln in 'Gelernt' 0 / 

Vokabeln insgesamt 147

 

Neu ist auch die Vokabelabfrage (es gibt vier verschiedene Formen!) nach dem „Multiple-Choice-Verfahren”, meine derzeitige Lieblingsmethode. Man lässt sich eine oder mehrere Lektionen abfragen und bekommt pro Vokabel fünf Bedeutungen zur Auswahl, von denen nur eine richtig ist. Das klingt simpel, ist es aber nicht (wenn man an die große Zahl von Bedeutungen denkt, die viele  Verben oder Nomina so haben). Kürzlich musste ich mich bei modus, -i m geschlagen geben: a) Schlussfigur, b) Scherzbold, c) Maulbeerbaum, d) Wirt einer Imbissbude, e) Schande. Na, überlegen Sie mal! – Frappierend fand ich den Hinweis von Philipp Niederau, dass das Programm sich die falschen Bedeutungen selbst zusammensucht – Kriterien sind etwa der gleiche Anfangsbuchstabe, das Vorkommen im gleichen Kapitel, Bedeutungsähnlichkeiten usw.

Geht man auf die Grammatikseite des Programms, so findet man Deklinations- und Konjugationsübungen. Da kann man beispielsweise „magnitudo” deklinieren. Das ist nun allerhand Schreibarbeit, besonders für Anfänger im Tippen. Mit einem Klick („Wortanfänge vorbelegen”) kann man nun den Stamm „magnitudin-” einfügen, so dass man nur mehr die richtigen Endungen notieren muss. Das Ergebnis lässt sich mit einem weiteren Klick kontrollieren, Fehler sind farbig markiert, das korrekte Schema ist beigefügt. Zum Schluss werden die richtigen Lösungen addiert, die Lernleistung (eher streng!) bewertet, die Bewertung kann man in eine Graphik überführen, die die Schülerleistung über Tage und Wochen darstellt; sie wird – so man will – auch tabellarisch protokolliert.

Am meisten beeindruckt mich, was NAVIGIUM bei der Textarbeit leistet – diese Hilfen habe ich als Lehrer am meisten genutzt. Dazu ruft man die entsprechende Rubrik auf, tippt oder kopiert einen Lehrbuch- oder Lektüretext ein und speichert ihn ab. Dann kann man alles Mögliche machen, um den Text zu gliedern: ihn kolometrisch aufarbeiten, die Einrückmethode anwenden, Satzglieder farblich markieren oder unterstreichen – die entsprechenden Werkzeuge liegen alle anklickbar bereit.

Kinderleicht ist es, zu einem Textauszug (natürlich auch für eine ganze Unterrichtsreihe) eine Liste mit dem Lernvokabular individuell zusammen-zustellen, gesondert auszudrucken oder dem Text im Fußnotenbereich beizufügen. Dazu reicht nur ein Klick. Freilich bietet das Programm dann alle nur denkbaren Vokabelauskünfte, die man zügig um nicht Zutreffendes bereinigen oder auch auf eine Lernvokabelliste reduzieren kann. Selbstverständlich lässt sich auf diese Weise schnell etwa eine Klassenarbeit oder eine Klausur mit den erforderlichen Erläuterungen zusammenstellen.

Das Programm bietet sodann dem Übersetzer maximale Hilfe, per Klick auf eine Textvokabel liefert es alle möglichen Bedeutungen der Vokabel und bestimmt sie nach allen Regeln der Grammatik; wenn von Interesse, lassen sich problemlos die Deklinations- bzw. Konjugationsschemata aufrufen. Bei Eigennamen kann NAVIGIUM durchwegs nicht weiterhelfen, da hätte Karl Niederau den ganzen Kleinen Pauly eingeben müssen. NAVIGIUM kann auch nicht selbst übersetzen, was eine Kollegin bei einer Fortbildungsveranstaltung an der HUB  sich gewünscht – oder vielleicht – bei so viel Unterstützungsleistung des Programms - auch befürchtet hatte. 

Die Textarbeitsfunktion habe ich oft zur eigenen Unterrichtsvorbereitung genutzt, bei der cloud-basierten Version ist das ein Kinderspiel. Wenn Schüler/innen mit NAVIGIUM übersetzen, so kommen sie dank der Hilfen zügig voran. Das mühsame Blättern im Lexikon entfällt, freilich trainieren sie so nicht das Alphabet, aber das ist ja auch ein eher nachgeordnetes Lernziel. Das NAVIGIUM-gestützte Übersetzen (man kann dazu das Schulwörterbuch oder das Großwörterbuch aufrufen) ist eine echte Alternative zur bloßen paste and copy-Leistung und ihrer Anwendung auf entsprechende Übersetzungsfunde im Internet. NAVIGIUM-gestütztes Übersetzen bringt Erfolgserlebnisse – nicht nur für Schüler, sondern auch für Studenten und Lehrer, die sich an literarische Texte heranmachen wollen. 

Einen Vokabeltest zu erstellen ist ab sofort eine Sache von Sekunden. Denn regelmäßige Vokabeltests helfen, dass Schüler kontinuierlich Vokabeln (nach dem Lehrbuch oder individuell je nach Autor zusammengestellt) lernen und wiederholen. Mit NAVIGIUM lässt sich problemlos ein Vokabeltest zum Ausdrucken konzipieren. Keine große Sache sind dabei die Berücksichtigung mehrerer Gruppen, die Gleichverteilung nach Wortarten, die Abfrage von Stammformen/Genus/Genitiv, und vieles mehr – dank vielfältiger Wahlmöglichkeiten kein Problem, auf Wunsch auch mit Lösungsblatt. Bei Klassenarbeiten ist es jedem Lateinlehrer schon passiert, dass ein Klassenarbeitstext eine oder mehrere Vokabeln enthielt, die den Schülern noch unbekannt waren. NAVIGIUM hilft bei der Erstellung von Klassenarbeiten, indem es zu jeder Vokabel angibt, in welcher Lehrbuchlektion diese eingeführt wurde. Unbekannte Vokabeln können mit NAVIGIUM direkt als Vokabelhilfe ergänzt werden, zudem  ist ein einfaches Übertragen in ein beliebiges Textverarbeitungsprogramm möglich.

Eine vor einigen Jahren noch unvorstellbare Erleichterung ist es, dass ich als Lehrer von Zuhause aus, vom Schreibtisch oder Frühstückstisch aus, vom Lehrerzimmer oder dem Cafe neben der Schule oder meinetwegen auch vom Krankenbett Zugriff auf die Dateien (Lehrbuch- oder literarische Texte, Vokabeldateien, Dateien für Grammatikaufgaben usw.) habe und sie so vorbereiten kann, wie ich sie im Unterricht präsentieren möchte oder wie sie meine Schüler innerhalb oder außerhalb des Unterrichts nutzen und bearbeiten sollen – das ist für den Lateinunterricht eine neue Qualität. Ein externer Datenträger (den man irgendwo liegen- oder steckenlassen kann) ist nicht erforderlich. 

Hier muss man noch wissen, dass es NAVIGIUM in mehreren Versionen gibt, einmal als Privatversion, zu der man zu jeder Zeit und an jedem Ort (wo es W-Lan gibt) individuellen Zugang hat, dann als (kleine) Schulversion, bei der eine Lerngruppe, oder auch mehrere Lerngruppen, im Unterricht, aber auch außerhalb der Unterrichtsräume an Schultagen in der Zeit von 8.00 bis 15.30 Uhr Zugang haben, schließlich als (große) Schulversion, bei der eine Lerngruppe oder auch alle Lateinlerner der ganzen Schule Zugriff auf das Programm haben, innerhalb und außerhalb der Schule, also auch zu Hause, und zeitlich unbegrenzt. Letztere Version kann ein tolles Bonbon sein für Schulen, die sich um ihre Lateiner bemühen müssen und wollen, die einen solchen Service für ihre Klientel anbieten wollen mit so vielen nützlichen Funktionen – ein Aushängeschild für einen ebenso modernen wie anspruchsvollen Lateinunterricht!

Für mich ist die cloud-basierte Latein-Lernsoftware Navigium ein großer Wurf mit wirklich vielen Innovationen gegenüber früheren Versionen. Ich freue mich schon darauf, wenn meine Enkelin mit dem Lateinlernen beginnt. Das Lernprogramm steht seit einigen Wochen bereit. Ich setze darauf, dass ihre Schule es dann längst eingeführt hat.

navigium

Konzipiert und über 25 Jahre 
weiterentwickelt von 
Dr. Karl Niederau und Philipp Niederau,
computertechnisch völlig neu bearbeitet
Ausgabe zur cloud-basierten Latein-Lernsoftware Navigium, Aachen 2017,
Einzelbezug: 19,99 € im 1. Jahr und 9,99 € für jedes weitere Jahr; Schullizenz ab 90.00 € pro Jahr; 

Informationen und Bestellmöglichkeit über http://navigium.de/

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